Hervorgehoben

Hallo.

Mein Name ist erstmal egal. Meine Erfahrungen und Erlebnisse auf meinen Wanderungen dagegen, nicht. Darum dachte ich, ich teile manches davon mit der Welt. Vielleicht stoße ich damit auf offene Ohren.

In diesem Beitrag möchte ich ein wenig über mich erzählen. Meine bisherige Lebenserfahrung und Identität nehme ich teilweise immer im Gepäck mit; sie färben meine Wahrnehmung und meinen Umgang mit der Welt.
Zunächst möchte ich kurz erläutern, worüber ich schreiben möchte und warum ich darüber schreiben möchte.

Am Anfang war die Intention.

Warum schreibe ich hier? Andere haben es auf den Punkt gebracht:

  • „Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“
    Albert Schweitzer
  • „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“
    Volksmund
  • „Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?“
    Grethe Weiser

Außerdem: Viele können sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht selbst auf den Weg machen. Grundsätzlich oder gerade nicht. Mit diesem Reise-Blog kann ich Euch ein Stück weit jedoch mit auf die Reise nehmen.

Was ich mit Euch teilen möchte:

  • Mich hat es sehr inspiriert, von anderen zu hören, wie sie gereist sind und was überhaupt möglich ist. Ich möchte also erzählen, wie ich welche Wanderungen für mich möglich gemacht habe.
  • Schöne Fotos von bereisten Ort- und Landschaften gibt es bereits im Web, ich halte hier eher Gedanken und Gefühle fest. Auch Lektionen.
    Außerdem sehen meine selbst geschossenen Bilder schlimm aus.
  • Vielleicht ergeben sich durch diesen Austausch schöne Begegnungen und hilfreiche Anregungen für den jeweils eigenen Weg. Ich bin gespannt auf die Resonanz meiner Beiträge.
  • Wenn ich merken sollte, dass Ihr Euch noch mehr von mir wünschen würdet, wäre es Ansporn für mich, mehr über meine Wanderschaften und deren Lehren mit Euch zu teilen. Vielleicht schreibe ich sogar dieses Buch, was in mir entsteht…

So. Ich habe immer noch kaum was über mich erzählt, nicht wahr? Los geht es.

Ich bin direkt nach dem Studium aus einem benachbarten europäischen Land nach Deutschland gezogen. Und bin gekommen, um zu bleiben. Wobei ich irgendwie auf der Flucht war. Aus „Familientradition“. Meine Eltern sind beide als Flüchtlinge über Kontinente hinweg geschleppt worden und als Nochkinder ins Land gelandet, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Erwachsen wurde ich jedoch „hier“. Durch Deutschland bin ich auch gezogen. Darüber hinaus bin ich sowohl privat also auch beruflich viel in Europa unterwegs gewesen. Nomadin bin ich aber nicht und fange jetzt – erst mit bald 40 Jahren – an, ein Gefühl von „zu Hause“ überhaupt zu entwickeln.
Ich weiß nicht, wie es Euch damit geht, aber ich bin gespannt auf die Weiterreise!

Mich treibt es nämlich immer wieder fort. Aktuell auch ein bisschen „zurück“. Zurück zu meinem Ursprung. Woher komme ich? Was steckt eigentlich in diesem geheimnisvollen Päkchen, das ich überall hin mitnehme und das teilweise ganz schön auf meine Schulter drückt?

Ich bin schon lange unterwegs. 15 Jahre oder so. Und jetzt möchte es gründlich machen. Auch deswegen bin ich jetzt meinen ersten Jakobsweg gelaufen. Davon erzähle ich hier gleich. Nachträglich.

Willkommen in meiner inneren Welt!

Hier geht es zum Tag 1.

AusWANDERN

Neun Monate war ich tatsächlich mit der Idee schwanger, wobei sie in der Anfangszeit nicht mal so richtig ausformuliert war. Neun Monate hat diese Idee in mir gearbeitet. Und nun ist es soweit: ich wandere aus. Also noch einmal. Ich bin ja bereits ausgewandert. Vor 15 Jahren nach Deutschland. Damals war mir sofort klar: ich bin gekommen, um zu bleiben. Und doch ist es wieder soweit: ich wandere wieder aus. Dieses Mal nach Spanien.

Wer meinen Weg über diesen Blog verfolgt hat; weiß, dass mich die letzten (zehn!) Jahre vieles nach Spanien gezogen hat. Nicht zuletzt, weil ich mich auf die Spuren meiner Familie begeben habe. Woher komme ich? Warum bin ich so, wie ich bin? Was hat dazu geführt?

Vor zwei Monaten bin ich im Geburtshaus meiner Großmutter mütterlicherseite gewesen. Hier in Spanien.
Morgen ist sie vor einem Jahr gestorben.
Seit ein paar Wochen habe ich meine offizielle Auswanderung losgetreten. Sobald es geht, melde ich mich aus Deutschland ab.

Gelernt: Ausrüstung Teil 4

Sooo. Langsam neigt sich diese Serie ihrem Ende zu. Wir haben uns die Packliste für meine letzte bzw. nächste Jakobsweg-Wanderung ziemlich genau angeschaut. Ich hoffe, einiges war für Euch hilfreich. Ein paar wichtige Dinge fehlen aber noch im Gepäck:

  • Proviant
  • „Pilgerzeug“
  • Dokumente und Geld

Lasst uns heute darüber sprechen und das Thema fürs Erste abschließen.

Proviant

Ich bin durchweg mit „altem“, ja, fast trockenem Brot durch die Gegend gelaufen. Ich hatte immer Angst, mal zu keinen Lebensmitteln zu kommen, wenn ich sie brauchen würde. Darum habe ich immer das Brot zum Essen in den Gaststätten, die ich täglich zu Mittag besuchte, in eine Tüte („Zipbeutel“ ) eingepackt und in mein Gepäck verstaut, anstatt es gleich zu essen. Ich ging auch ab und zu ein bisschen einkaufen. Ein großes Stück Schnittkäse, das allmählich kleiner wurde, war auch mein Wegbegleiter.

Das wurde im Fall meiner Tour auf Jakobswegen eher zum Gimmick. Es gab immer überall genug essen zu bestellen oder kaufen, wenn ich Hunger hatte. Ich hätte also nichts dergleichen mitschleppen müssen.

Jedoch würde ich auf folgende Proviante bzw. Snacks nicht verzichten wollen, weil sie mir unterwegs genutzt und aufgepäppelt haben:

  • Ungesalzene gemischte Nüsse
    (in wiederverschließbarer Packung)
  • Kekse
    (auch in wiederverschließbarer Tüte)

Dazu würde ich empfehlen, ab und zu auf dem Weg Obst zu kaufen. Bananen und Äpfel lassen sie sehr gut griffbereit ins Gepäck verstauen.

Gesund, lecker und gehen nicht kaputt.

Dies und alles andere kann bei Bedarf (nach-)gekauft werden.

„Pilgerzeug“

Ohne Pilgerausweis wird es schwer zu pilgern. Denn ohne Pilgerausweis gibt es keinen Einlass in die Pilgerherbergen und am Ende des Wegs kann die offizielle „Compostela“ nicht ausgestellt werden*.

Die Jakobsmuschel ist auch seit eh un je das Erkennungsmerkmal der Menschen, die nach Santiago de Compostela gehen. Ursprünglich wurde die Muschel erst am Ziel gefunden (am Strand von Fisterra zum Beispiel) oder ergattert (in Santiago gekauft/geschenkt bekommen). Mittlerweile gehört sie zur Ausrüstung jeder Person, die auf Jakobswegen unterwegs ist. Ganz gleich, ob sie sich auf dem Weg hin oder zurück befindet. Wer eine (echte oder symbolische) Jakobsmuschel sichtbar ans Gepäck hängt, macht sich dadurch erkennbar.
Meiner Erfahrung nach genießen Wander*innen auf Jakobswegen unglaublich viel Unterstützung und Ermutigung von den Einheimischen. Eine am Gepäck baumelnde Jakobsmuschel darf also nicht fehlen.

Ich hätte diese Reise nicht so genießen können, wenn ich keine Möglichkeit gehabt hätte, meinen Weg zu dokumentieren und Eindrücke, Gefühle und Gedanken festzuhalten. Ich führe grundsätzlich gerne Tagebuch und hatte eins dabei. Ein paar Stifte auch. Mindestens 2 für den Fall, dass mir die Tinte unterwegs ausgehen sollte. (Ich war sehr froh darüber, gleich einen Ersatz dabei zu haben, als es passierte!)
Es gibt sogar Pilgertagebücher: mit Vorlagen, um u.a. Distanzen, Routen, Unterwegsbekanntschaften, Wetter, usw. auch festhalten zu können. Das fand ich äußerst praktisch und schön.
Ich würde lieber in einen Buchladen gehen, anstatt sowas online zu bestellen, um das Tagebuch vor dem Kauf in die Hand nehmen zu können. Gewicht und Größe sollten auch passen. In den meisten Läden kann man sich das Wunschbuch ohne Kaufpflicht bestellen lassen, wenn es nicht vorrätig ist.
Ohne Tagebuch hätte ich außerdem unmöglich so detailreich und realitätstreu über meine Wanderung nachträglich berichten können.

*Um eine offizielle Compostela erhalten zu können, braucht es mehr als einen Pilgerausweis in der Tasche. Dazu gibt es bereits genug Infos im Netz oder in Pilgerführern, die sich lohnen, vor dem Start gut zu verinnerlichen. Ich meine, es wäre bitter, nach einer solchen langen Wanderung und so viel Zeit in der Warteschlange am Pilgerbüro am „Ziel“ gesagt zu bekommen, dass dies und jenes doch fehlt. Hier zum Beispiel könnt Ihr Euch darüber informieren.

Weitere und wichtige Dokumente und Kleinigkeiten dürfen außerdem nicht fehlen:

Dokumente und Geld

Der Pilgerausweis ist kein Ersatz für den Identitätsnachweis und ein gültiger Ausweis ist Pflicht. Spätestens am Flughafen würdet Ihr es bereuen, ihn zu Hause liegen gelassen zu haben: Auch innerhalb der EU muss man sich ausweisen können.

Ich hatte meinen Personalausweis und nicht meinen Reisepass dabei, um Platz und Gewicht zu sparen. Als EU-Bürgerin brauchte ich nichts weiteres.

Der Jakobsweg durchläuft Städte und Dörfer. Und dort, wo mit Bargeld eingekauft werden kann, gibt es meist Geldautomaten. Es wird also empfohlen, lediglich genug für 2 Tage Verpflegung und Übernachtung in Bar (in meinem Fall ca. 50€) mit sich zu tragen, bei Gelegenheit Geld abzuheben (Achtung: nur mit internationalen Karten z.B. Kreditkarten überall möglich!) und sonst entweder gleich per Kreditkarte zu zahlen (Achtung: bei Eurer Bank fallen möglicherweise Gebühren!).

Meine Geldtasche war ungefähr so groß. Da passte mein Personalausweis auch rein.

Anstatt all dies in einer regulären, sperrigeren Brieftasche mit mir zu tragen, hatte ich eine Reisegeldtasche genommen, die dafür gedacht war, an den Hals gehängt zu werden, und es ermöglichte, Wertsachen für Taschendiebe nicht greifbar zu machen. An nur wenigen Stellen müssen Wander*innen auf Jakobswegen auf Ihre Wertsachen aufpassen, darum war das nicht der Grund für diese Wahl. Sondern: diese Tasche war viel dünner und leichter als das, was ich im Alltag mit mir schleppte, und sollte deswegen reichen.
Im Übrigen würde ich sie nicht um den Hals tragen, wenn ich viele Kilometer laufen sollte: die Kordel würde die Haut am Nacken und/oder am Hals aufscheuern.

Allerdings würde ich den Pilgerausweis nicht in eine zusätzliche Tasche wegstecken, sondern immer griffbereit haben wollen. Das erleichtert die Handhabung in den Gaststätten, in denen einen Stempel auf den Ausweis geholt werden könnte bzw. sollte.

Eine letzte Sache hatte ich noch dabei. Eine ausgedruckte Adressliste.

Reguläre Post statt E-Mails: kommt gut an!

Auf meiner letzten 4-wöchigen Tour hatte ich kein Smartphone dabei. Und hatte also die Adressliste der Menschen, denen ich auch mal Postkarten zukommen lasse, vor der Abreise ausgedruckt und eingepackt. Es war schön, ein paar Male während der Reise Postkarten zu schreiben und abzuschicken. Einmal kurz nach meinem Start von Porto in Portugal, einmal in Santiago de Compostela in Spanien, die Letzte habe ich von Fisterra aus abgeschickt.

Es haben sich alle sehr darüber gefreut, die mal wieder „echte Post“ von mir auf dieser besonderen Reise empfangen haben.

Und so kam ich auf meine ca. 10-Kilo-Gepäck zzgl. Wasser und Proviant. Auf dem Weg fand ich das – wie meine Wanderung auf dem Weg selbst – perfekt.

Diese ganze Serie im Überblick:

Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld

¡Buen camino!

Auf dem Jakobsweg menstruieren

Willkommen zu diesem Sonderbeitrag zu einem Thema, das selbst im Jahr 2020 noch ausreichend tabu ist, dass die meisten Online-Jakobsweg-Packlisten es ignorieren: unterwegs menstruieren. Es stimmt zwar, dass viele Wander*innen nicht bzw. nicht mehr menstruieren und sich somit darüber keine Gedanken machen müssen. Unter anderem aufgrund der Pilgerstatistiken gehe ich jedoch davon aus, dass eine gute Hälfte der Leute auf Jakobswegen ihre Tage bekommen und ihr Gepäck entsprechend planen sollen.

Für alle, die einen großen Bogen um das Thema machen wollen, habe ich das Thema im letzten Beitrag zum Gepäck für den Jakobsweg nicht weiter erläutert, obwohl es zum Apothekenzeug bzw. Körperhygiene auf Tour dazu gehört. Hier ist es also.

Ich habe eigentlich wenige Dinge dazu mitzuteilen, diese möchte ich jedoch mit Nachdruck sagen:

  1. Menstruationstassen haben mein Leben verändert.
  2. Auch auf dem Jakobsweg konnte ich die Menstruationstasse problemlos benutzen.
Ich verstehe nicht, wie ich so lange ohne Menstruationsschale leben konnte.

Zum ersten Punkt:

Menstruationstassen
haben mein Leben verändert.

Mir wurde der ganze toxische Müll zu bunt, den ich während meiner Tage produzierte, wenn ich Binden und/oder Tampons benutzte. Mir war auch bewusst, dass solche Teile aus bzw. voller Chemikalien auch für den eigenen Körper ungesund waren. Als eine Vertrauensperson mich auf die Menstruationstasse aufmerksam machte, habe ich mir gedacht, dass es für mich Zeit war, sie auszuprobieren.

Der Anfang war eine große Herausforderung; jetzt bin ich nur noch dankbar dafür, dass es dieses Ding gibt, dass ich davon erfahren habe und dass ich die Möglichkeit habe, es zu benutzen.

Das was darüber vielfach erzählt wurde, stimmte auch für mich: es brauchte ein paar Einläufe, um „den Dreh“ zu bekommen. Die Einführung gestaltete sich anfangs schwierig; es war nicht immer leicht, die Menstruationsschale wieder herauszubekommen; und es war auch kompliziert, einen hygienischen Tassenentleerungsablauf zu finden, der für mich passte.
Dafür wurde es nach dem holprigen Start nur noch Lebensfreude pur:

Die Tasse fühlt man bzw. frau nicht, wenn sie gut sitzt. Im Gegenteil zu Binden, die wegrutschen, knirschen und sich feucht anfühlen können. Einfach genial.
Durch die perfekte Abdichtung der Gebärmutter gibt es auch so gut wie kein Auslaufen. Ich wiederhole das mal kurz: Es. Gibt. Kein. Auslaufen.
Das heißt, während ich meine Menstruationstasse trage, vergesse ich fast, dass ich meine Tage habe.

In vielen Fällen gibt es unterwegs Zugang zu einer sogenannten „Behindertentoilette“ , die sich dafür eignet, denn solche Toiletten sind mit privatem Waschbecken ausgerüstet. Selbst bei Toiletten, in denen das Waschbecken außerhalb der Toilettenkabine liegt, gibt es Tricks: entweder es handelt sich um eine Großraumtoilette und es gibt tatsächlich doch eine „Behindertentoilette“, oder der Raum ist klein mit wenigen Kabinen und es ist oft möglich, die Vordereingangstür abzusperren bzw. zu blockieren, solange es gebraucht wird.
Jedenfalls wurde ich mit der Zeit während meiner Tage sozusagen „achtsamer“ beim Toilettengang , wenn ich unterwegs war, und so ging es in Deutschland immer sehr gut.

Sauberes fließendes Wasser: Beste!

Auch auf dem Jakobsweg hat es immer geklappt.

Auf meinem Jakobsweg konnte die Menstruationstasse problemlos benutzen.

Ich habe die Tasse meist in den Gaststätten, die oft nur eine Toilettenkabine und somit gleich ein Waschbecken dazu zur Verfügung hatten, entleert.

In den Pilgerherbergen habe ich mich für eine Methode entschieden, die für mich bequem war, die manche ggf. verstörend finden können: Ich habe die Tasse im Duschabfluss entleert. Die Duschkabinen sind meist nicht bis nach unten abgedichtet und es ist also möglich, dass jemand in das Gemeinschaftsbad gerade dann hereinspaziert und duschen geht, während ich mit dem blutigen Silikonteil hantiere. Na und? Es ist der Jakosweg und fast alle, die den gleichen Duschraum benutzen wie ich, haben auch ab und zu bzw. hatten mal ihre Tage. Sie müssen es verstehen. Wenn nicht, auch nicht schlimm.

Im Übrigen hat mich auf meiner Jakobsweg-Wanderung niemand dabei gesehen. Es ging also immer reibungslos und entspannt.

Für die Packliste

Für den Fall, dass kein Waschbecken gleich zur Verfügung steht, gibt es Reinigungstücher, die extra dafür gemacht wurden, um die Tasse reinigen zu können. Besser ist es unter sauberem fließendem Wasser natürlich. Und ich hatte auf meinem letzten Jakobsweg diese Möglichkeit immer. Die Tücher habe ich also nicht gebraucht. Ich würde welche trotzdem Mitnehmen: vielleicht sind sie für was anderes nützlich, wenn nicht dafür.

In dem Sinne, für einen kompletten Menstruationszyklus würde ich wieder folgendes im Gepäck dabei haben:

  • Menstruationstasse in ihrer Tasche
  • 1-2 Sterilisierungstabletten (eigentlich für Schnuller gedacht, online bestellt)
  • ein paar Spezialreinigungstücher (für die Menstruationsschale)
  • 5 Slipeinlagen (ca. 1 pro Zyklustag)

Ich wünsche viel Glück damit!

Im nächsten Beitrag gehe ich nun auf die letzten Dinge ein, die in meinem Gepäck für den Jakobsweg waren:

  • Proviant
  • „Pilgerzeug“
  • Dokumente und Geld

Bis denn dann!

Diese ganze Serie im Überblick:

Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld

Gelernt: Ausrüstung Teil 3

Im ersten Beitrag dieser Serie über mein Gepäck für meinen letzten Jakobsweg habe ich über Wanderklamotten und -ausrüstung gesprochen. Im vorigen Beitrag über Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien. Unsere heutigen Themen:

  • Reiseapotheke
  • Hygieneprodukte

Für später wurden diese noch aufgehoben:

  • Proviant
  • „Pilgerzeug“
  • Dokumente und Geld

Reiseapotheke

In dem Bereich hätte ich auf ein paar Sachen verzichten können, weil ich sie nicht gebraucht habe. Jedoch möchte beim nächsten Mal alles nochmal und vielleicht ein paar Kleinigkeiten dazu mitnehmen:
Was noch nicht gebraucht wurde, kann bei der nächsten Wanderung doch nützlich bzw. wichtig werden, und was man selber nicht braucht, kann unterwegs verschenkt werden!

Im Idealfall bleibt das Erste-Hilfe-Set schön sauber und trocken im Gepäck.

Was ich auf dem portugiesischen Küstenweg dabei hatte:

  • Leukoplast (1/3-Rolle)
  • Nagelschere
  • Blasenpflaster in 2 Größen (2x 6)
  • Sonnenschutz (fingerbreiter Rest)
  • Magnesium (2x 15 Kautabletten)
  • Hirschtalgcreme (100ml Tube)
  • Fußpilzcreme (fast aufgebrauchte Tube)
  • Papaya Fruchtsalbe (25g)
  • Menstruationstasse, ein paar Spezialfeuchttücher
    und 2x Sterilisationstabletten
  • 3x Kondome
  • Mini-Erste-Hilfe-Set
  • Döschen Tigerbalsam
  • Hygienehandgel (halbes 50ml Fläschchen)
  • Spezialhautschutzstick (22g)
  • 2x Ibuprofen
  • 4x Allergietabletten
Safety first.

Was ich davon wirklich gebraucht habe:

  • Leukoplast
  • 1x Blasenpflaster
  • Sonnenschutz (nicht aufgebraucht)
  • Magnesium
  • Hirschtalgcreme (nur die Hälfte)
  • Fußpilzcreme (und habe eine neue Tube unterwegs gekauft)
  • Papaya-Fruchtsalbe
  • Menstruationstasse und Sterilisationstabletten
  • Hygienehandgel
  • Spezialhautschutzstick
  • 4x Allergietabletten
Höchste Priorität auf einer Tour: die Gesundheit unserer Füße

Was ich beim nächsten Mal mitnehmen werde:

  • Leukoplast
    eine ganze Rolle
  • 1 selbstgemischtes Döschen Blasenpflaster
    In mehreren Größen: Kleine und Große für die Ferse und für die Zehen.
    Habe auf der letzten Tour einige verschenkt, die welche gebraucht haben und werde beim nächsten Mal auch nicht daran sparen.
  • Sonnenschutz
    Reisegröße
  • Magnesium
    wieder 2x 15 Tabletten. Habe jeden Morgen nach dem Zähneputzen eine gekaut und fühlte mich durchweg super. Ob es geholfen hat, weiß ich nicht, geschadet hat es wohl nicht.
  • Hirschtalgcreme
    eine ganze 100ml Tube, dieses Mal speziell für intensivere Belastungen,
    zum Ausprobieren (die andere Creme fand ich schon super).
  • Fußpilzcreme
    Resttube, bei Bedarf kaufe ich eine Neue unterwegs nach.
  • Papaya-Fruchtsalbe
    genial für allerlei Hautwehwehchen (Irritationen, Mückenstiche, sonstige kleinen Wunden)
  • Menstruationstasse, ein paar Spezialreinigungstücher und Sterilisationstabletten
    ***Das Thema „Unterwegs menstruieren“ verdient einen eigenen Punkt, auf den ich für Interessierte extra eingegangen bin.***
Eigentlich „Achselbereichfrischmachgel“
  • Hygienehandgel
    Ich habe es allerdings eher zum schnellen „Frischmachen“ meiner Strickfleecejacke im Achselbereich als zum Händedesinfizieren benutzt. Wenn ich die Jacke nicht gleich waschen und dennoch nicht stinkig tragen wollte, hat es echt Wunder bewirkt. *INSIDERTIPP*
    Es gab auf der Strecke sonst genug Möglichkeiten für mich, mir in Gaststätten die Hände wie gewohnt zu waschen.
  • Spezialhautschutzstick
    Leudde! Ich sag es Euch: wenn Ihr auch so ne dünne Haut habt wie ich, kauft das Zeug UNBEDINGT! Durch die ständige einseitige Reibung meines Hüftgelenks mit dem Hüftgurt des Rucksacks hatte ich schnell schorfe Stellen am (Unter-)Hosenbund. Nicht nur hat das Zeug beim Laufen verhindert, das es schlimmer wurde, sondern es hat meine Haut trotz weiterer Reibung geheilt. *INSIDERTIPP*
  • Ein Blatt Allergietabletten
  • 2x Ibuprofen
  • Döschen Tigerbalsam
    Das Döschen ist klein wie eine Cent-Münze und wiegt praktisch nichts. Hatte ich vor langer Zeit ohne Anlass in einem asiastischen Lebensmittelladen an der Theke mitgenommen. Wir werden sehen, ob ich es auf meiner nächsten langen Tour – dieses Mal auf steilerem Terrain – benutzen werde.
  • Mini-Erste-Hilfe-Set
Wusstet Ihr, dass der Wirkstoff Dimenhydrinat in Reisetabletten auch ein Antihistaminikum ist?

Dazu würde ich für meinen nächsten anspruchsvolleren und einsameren Jakobsweg, den Camino del Norte, noch das hinzufügen:

  • Rettungsdecke
    Sie wiegt nur 15g und kann bei einer Verletzung, die einen*r zum Warten zwingt, das Leben retten. Die kommt dann mit.

Ich denke, weniger Apothekenzeug würde es auch bringen, aber ich hatte bei der ersten Wanderung kein Problem mit dem Gewicht am Rücken und war froh darüber, dass ich alles da hatte, was ich brauchte oder brauchen könnte. Ich werde also bei der nächsten Wanderung auch soviel dabei haben und ggf. unterwegs manches verschenken.
Es bleibt Euch natürlich überlassen, ob Ihr das auch so machen wollt, oder nicht.

Hygieneprodukte

Mein „Kulturbeutel“ war relativ minimalistisch. Auch dafür habe ich unterwegs ein besseres Gefühl entwickelt, was ich eigentlich brauchte, und was für mich überflüssig bzw. eher Luxus-Pflegeprodukte waren.

Ob es bei meiner nächsten Wanderung noch Klopapier überhaupt zu kaufen geben wird… X-)
#coronakrise

Dabei hatte ich:

  • 1x Rolle Toilettenpapier
  • Plastikschuhe für Gemeinschaftsbäder
  • 2x Packungen Taschentücher
  • 1x Döschen Deo-Creme
  • 1x Schampoo in Reisegröße
  • 1x Restseife + Seifensäckchen
  • Resttube Zahnpasta
  • Restrolle Zahnseide
  • zusammenklappbare Reisezahnbürste
  • kleiner Plastikkamm
  • 2x Papiernagelfeilen
  • harte Silicon-Ohrenstöpsel
  • 6x Ohropax
  • 5 Slipeinlagen

Es geht noch deutlich weniger!

Ursprünglich Lippenbalsam, auf Tour: Deo-Creme.

Jedoch würde ich persönlich beim nächsten Mal nur wenig daran ändern, was ich für die Körperhygiene mitnehme. Warum das so ist, erläutere ich auch hier.

Zunächst mal, worauf ich verzichten konnte:

  • Toilettenpapier
    Ich habe nur wenige Mal im Freien Pipi machen müssen, dafür braucht man kein Klopapier. Man bzw. frau kann sich einmal schütteln, um die hängenden Tropfen runter zu bekommen. Isso. Für alle andere Fälle hatte ich persönlich genug Möglichkeiten, in Gaststätten und Herbergen unterwegs das Bad zu benutzen.
    Ich würde jedoch nicht darauf verzichten, denn wenn ich es dringend gebraucht hätte, wäre es ohne unangenehm gewesen. Vielleicht reicht dann aber eine halbe Rolle Klopapier.
  • Plastikschuhe fürs Bad
    Ich hatte kein Bedürfnis, Plastikschuhe zu benutzen, um Duschen zu gehen. Mir schienen die Herbergen immer sauber (genug). Badelatschen würden für das nächste Mal trotzdem nicht schaden; das überlege ich mir aber noch.
  • 1x Restseife + Seifensäckchen
    Habe ich zwar ein paar Male benutzt, hatte aber keinen Erfolg dabei, die Seife und ihr Säckchen gut trocken zu kriegen, bevor ich sie wieder einstecken musste. Und so habe ich mal beide in einer Pilgerherberge in Mós, Spanien, ans Hochbettgestell vorm Schlafengehen gehängt, und wenn sie nicht von jemand anderem in Anspruch genommen wurden, hängen sie da immer noch! 😀
    Es gab in den meisten Herbergen Handseife, womit ich auch öfter geduscht habe, und mein eigenes Zeug so aufheben konnte. Es gab in einigen sogar Duschgel in den Duschen.
    Ob das auf allen Routen der Jakobswege so ist, kann ich nicht sagen. Bei Bedarf kann jedenfalls überall Seife gekauft werden. Ich würde also entweder Seife oder Duschgel bzw. Schampoo mitnehmen. Mehr dazu weiter unten.
Nie mehr ohne Ohrenstöpsel.

Gebraucht habe ich:

  • 1,5x Packungen Taschentücher
  • 1x Döschen Deo-Creme
    Deo-Cremen haben den Vorteil, sehr platzsparend zu sein. Und da ich ein altes Döschen für Lippenbalsam aus Alu gereinigt und aufgehoben hatte, konnte ich Deo-Creme darein umgefüllt. Es war die perfekte Menge Deo für meine 4-wöchige Tour.
    Es geht übrigens auch ganz ohne Deo, aber soweit bin ich noch nicht.
  • 1x Schampoo in Reisegröße
    Ich habe nur Schampoo mitgenommen, weil ich das Zeug sowohl als Schampoo als auch als Duschgel und Waschmittel für meine Tagewäsche benutzt habe. Die kleine Flasche wurde trotzdem nicht ganz alle, denn ich war sparsam und habe möglichst viel Seife benutzt, die in den Herbergen vorhanden war.
  • Resttube Zahnpasta
    Am Tag, an dem ich in Santiago de Compostela angekommen bin, ist meine Zahnpasta ausgegangen. Ich hatte aber die gute Idee, es Mitpliger*innen zu erzählen, die ich am Vorplatz der Kathedrale zufällig wiedersah und mit denen ich abends noch essen ging. Einige würden gleich wieder abreisen und mir wurde eine angebrochene Tube geschenkt. Perfekt. 🙂
  • Restrolle Zahnseide
    Ich habe kaum Zahnseide benutzt (Asche auf mein Haupt), aber ohne Zahnseide kriege ich manche Essensreste nicht aus meinen Zähnen raus und werde weiterhin welche mitnehmen. Nächstes Mal werde ich allerdings keine Rolle mehr, sondern 2x Zahnseide-Sticks mitnehmen. Die werden mir reichen, denn man kann sie mehrmals nutzen, wenn man sie reinigt, bis sie reißen.
  • zusammenklappbare Reisezahnbürste
  • kleiner Plastikkamm
  • 1x Papiernagelpfeile
    Ich würde vielleicht auf die Nagelschere – falls für Erste-Hilfe-Zeug nicht nötig – verzichten und wieder 2 Papiernagelpfeilen mitnehmen. Die wiegen nichts und reichen, um (vor allem Zehen-)Nägel zu kürzen (WICHTIG!).
  • 1 Paar harte Silicon-Ohrenstöpsel
  • 1 Paar Einweg-Ohrenstöpsel aus Wachs
    Als meine Ohren wegen der harten Silicon-und-Platik-Ohrenstöpsel anfingen etwas zu schmerzen, habe ich kurzzeitig Wachsstöpsel benutzt. Eine Wohltat.
    Ich habe fürs nächste Mal waschbare weiche Silicon-Stöpsel gekauft. Denn ich bevorzuge Wiederverwendbares, bleiben die Wachsteile bei der nächsten Wanderung zu Hause und die Silicon-Teile kommen alle – Harte und Weiche – mit.
  • 5 Slipeinlagen
    Ich trage im Alltag Slipeinlagen. Allerdings kann man überall auf Jakobswegen welche kaufen, und ich dachte mir außerdem, dass ich auf sowas vielleicht verzichten könnte: Ich würde meine Unterhose ja direkt nach der Tagesetappe waschen. Und tatsächlich habe ich meist keine gebraucht.
    Lediglich während meiner Tage habe ich eine Slipeinlage in Kombination mit der Menstruationstasse getragen: Perfekt! Mehr dazu wie gesagt in einem Sonderbeitrag.

So. Ich hoffe, es konnte der Einen oder dem Anderen weiterhelfen.

In den nächsten Beiträgen also, meine Erfahrung auf Jakobswegen mit:

  • Proviant
  • „Pilgerzeug“
  • Dokumenten und Geld

Und einmal extra was zum Thema:

Bleibt gesund und munter und bis Tage dann!

Diese ganze Serie im Überblick:

Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld

Gelernt: Ausrüstung Teil 2

Schon ein Monat ist es her, dass ich zuletzt geschrieben habe. Und was für einen Monat! Am heutigen Tag scheint es mir aufgrund der Covid-19-Epidemie unmöglich, den Camino del Norte im April und Mai zu laufen und mehr Zeit hätte ich – laut aktueller Planung – dafür nicht. Darum muss ich diese nächste Jakobsweg-Wanderung auf später verschieben. Aber! Es hindert mich nicht daran, meine Erfahrung mit der Ausrüstung auf „dem Weg“ bisher weiterzugeben. Ich habe das letzte Mal nämlich nur von einem Bruchteil meines Equipments geschrieben. In dem Sinne geht es heute damit weiter.

Im vorigen Beitrag ging es direkt um die Wanderklamotten und -Ausrüstung, sowie um den Schlafsack. In diesem hier geht es darum:

  • Alltagsklamotten
  • Geräte und Utensilien

Später wird es Erfahrungswerte noch dazu geben:

  • Reiseapotheke
  • Hygieneprodukte
  • Proviant
  • „Pilgerzeug“
  • Dokumente und Geld

Na gut. Dann wollen wir mal…

Wäsche“leine“

Alltagsklamotten:

Es wird empfohlen, ein Oberteil und eine Hose sowie Schuhe für die Freizeit nach der Tagesetappe dabei zu haben. Ich hatte ein (schon 15 Jahre altes!) ultraleichtes Top aus synthetischen Fasern dabei und keine 3. Hose dabei: Ich bin praktisch nur mit der einen Trekkinghose (mit den abtrennbaren Beinen) gelaufen und habe die 2. Wanderhose für die Freizeit reserviert. Dadurch, dass es im Herbst auf der Strecke nicht sehr warm war und ich nach den Tagesetappen keinen großen Tatendrang verspürte, mussten die „Freizeitklamotten“ nur wenige Male während der gesamten 4-wöchigen Tour gewaschen werden.

Meine Laufsocken hatte ich auch zu diesem Zweck mit eingepackt und diese wurden zwar öfter als der oben genannte Rest jedoch nicht täglich gewaschen.

Ich hatte kein 3. Paar Schuhe dabei. Nur die Wanderstiefel und meine Surfschuhe. Ich finde, die Surfschuhe sehen sehr gut aus und taugten wunderbar als Haus- und Stadtschuhe. Ich habe es sehr genossen, geschlossene und jedoch leichte sehr bequeme Schuhe in der Freizeit tragen zu können.
Auf dem Monte Corpiño in Muxía, wo meine letzte Wanderung endete, habe ich sie aus Versehen sogar als Kletterschuhe (!) benutzt. Die Geschichte dazu gibt es hier zu lesen.

Ich hatte auch 3 Teile aus Merinowolle für diese Reise ergattert, weil sie warm UND kühl halten, leicht und geruchshemmend sind und außerdem nicht unbedingt gewaschen werden müssen. Das klang wie ein Wundermaterial und ich dachte, damit kann ich nichts falsch machen.

Ich kaufte also ein Oberteil mit langen Ärmeln für kältere Tage, sowie ein Top mit Spaghettiträgern und eine passende lange Unterhose dazu. Die Letzteren wurden mein Schlafanzug. Sie hielten ihr Versprechen und mehr: die sahen richtig gut aus!
Ich glaube, ohne sie reise ich nun nirgendshin.

Vor der Reise waschen…

Allerdings hätte ich sie vor der Reise doch waschen sollen. Das sollte man grundsätzlich mit neu gekaufter Wäsche machen, ich habe es bislang nur selten so gemacht und hatte nie Probleme. Dieses Mal leider doch: ich meine, ich bin allergisch gegen ein Produkt, was nach dem Kauf noch dran heftete. Die ersten Nächte waren entsprechend recht herausfordern und ich musste tricksen, um im Schlafraum in Pilgerherbergen nicht laut niesen zu müssen. Zum Glück konnte ich bald Allergietabletten kaufen und der Effekt hat mit der Zeit nachgelassen. Das allergieauslösende Zeug ist vermutlich langsam verdampft. Was ich daraus gelernt habe? Neue Klamotten immer waschen, bevor sie mit auf die Reise dürfen.

Ich hatte auch einen wasserdichten Beutel für meine saubere Wäsche dabei. Auf meiner Tour gab es wenig Regen und somit ist kein Wasser in meinen Rucksack durchgedrungen. Und ich musste den Beutel nie auf nassen Boden legen. Jedoch ist es ungemein wichtig, die saubere Wäsche stets trocken aufbewahren zu können. Ich würde in der Zukunft also nicht darauf verzichten.

Einen Sportschuhbeutel habe ich mir ebenso geholt. So bleiben etwaige Gerüche von getragenen Ersatzschuhen und dreckiger Wäsche, die man noch nicht waschen konnte/wollte, im Gepäck schön unter sich.

Geräte und Utensilien

Analog-, Digitalkamera oder Smartphone?

Im Bereich „Geräte und Utensilien“ hatte ich zugleich weniger als viele und zugleich mehr als die meisten dabei. Was ich damit meinte:

Ich war ohne Smartphone unterwegs. Jap. Es ist kaum zu glauben, aber es ging. Auch im Jahr (damals) 2019! 😉 Dabei hatte ich ein einfaches GSM-Handy.

Vorteile:

  • Wirklich offline zu sein fühlte sich wunderbar an. Ohne Versuchung ist es einfacher.
  • Es wiegt weniger als die meisten Smartphones.
  • Ich telefoniere und texte grundsätzlich wenig und hatte das Teil nur einmal abends angeschaltet. Ich musste es vielleicht einmal (!) pro Woche aufladen.

Nachteile:

  • Keine GPS-Ortung
    (die ich nicht vermisst habe: sich ein bisschen zu verlaufen gehört zum Reisen dazu.)
  • Tickets (zum Beispiel für die Rückreise) müssen entweder im Voraus (meist nur bei der Bahn möglich) oder in Santiago in einem Internet-Café ausgedruckt werden. Jawohl, sowas gibt es in Spanien tatsächlich noch. Mit Desktop-Computern und Druckern und so.
  • Damit kann man wirklich keine brauchbaren Bilder schießen.

Deswegen hatte ich Einwegkameras und einen einfachen GPS-Tracker mitgenommen.

Ich hatte insgesamt 2 Kameras dabei: eine Reguläre und Eine für Unterwasser-Shots. Ich wusste nämlich, dass es potenziell viel Regen geben könnte und dachte, es wäre eine gute Möglichkeit für mich, auch bei schlechtem Wetter Fotos zu schießen, ohne die Kamera dabei kaputt zu machen.
2 Einwegkameras sind nicht mal 60 Shots. Für 2-4 Wochen auf einer solchen Reise ist das ganz schön wenig, ja. Nun, ich bin nicht so die Paparazza und schieße grundsätzlich wenig Bilder von meinen Reisen. Ich drückte so wirklich „bewusst“ ab. Es hatte noch einen Vorteil: so blieb ich in Kontakt mit mehreren Mitpilger*innen der letzten Tage, denn ich hob meine allerletzten Shots auf und bat meine Wegbegleiter*innen unterwegs darum, mir ein paar Bilder von der jeweils gemeinsamen Tagesetappe per Mail zukommen zu lassen. Ich habe mich ein paar Tage nach der Rückkehr ungemein darüber gefreut, als die Bilder nach und nach in mein Postfach hineinschneiten.

So nicht!!!

Der GPS-Tracker habe ich vorrangig für die Dokumentation meiner Tagesetappen benutzt: „Wie viele Kilometer, wie viele Stunden bin ich heute gelaufen?“ „Welche war heute meine Durchschnittsgeschwingkeit?“. Auf dem Gerät kann man nämlich keine Karten laden und ich hatte keine GPS-Koordinaten der Route mitgenommen. Es ist ein einfaches, jedoch sehr befriedigendes Gerät, das fürs Wandern und Fahrradfahren gemacht wurde. Mit AA-Akkus betrieben, welche nur alle paar Tage aufgeladen werden mussten, obwohl das Gerät 5 bis 10 Stunden am Stück täglich angeschaltet blieb.

Dafür und für die AAA-Akkus für meine Stirnlampe hatte ich also noch ein passendes Kombiladegerät dabei.

Die Stirnlampe hatte ich kurzerhand nicht mitgenommen. Ich wollte keine riesige Tagesetappen vollbringen. Ich hatte vor, mir Zeit zu lassen. Ich stehe ungern früh auf und würde erst nach dem Sonnenaufgang losgelaufen können. Dafür war es also tatsächlich überflüssig. Jedoch würde ich beim nächsten Mal nicht mehr darauf verzichten wollen: die paar Male, an denen ich doch vor dem Sonnenaufgang losmarschiert bin, habe ich gemerkt, dass es selbst mit Stirnlampe teilweise schwer ist, nicht auf die Nase zu fallen. Wenn der Weg nicht über Strassen, sondern durch die Natur verläuft, ist eine Stirnlampe im Dunkeln halt notwendig. Insbesondere im Wald war das *mit* (fremder) Stirnlampe gruselig und holprig. Ich würde in der Zukunft auch nicht mehr auf den Sonnenaufgang warten müssen, um entspannt zu starten. Die Stirnlampe gehört also doch zur Pflichtausrüstung für solche langen Touren.

Elektrotechnisch war es dann schon bei mir.

Dann hatte ich noch 10 „Wäscheklammer“ da. Also, eigentlich sind es Klammer für Vorhänge gewesen, die ich nicht mehr nutzte und mir passend erschienen:

Zum Stoffe aufhängen eben!

Diese sind sehr leicht, sehr robust und haben meine Wäsche auf den Herbergenwäscheleinen unmissverständlich gekennzeichtet. Manches sieht dort eben gleich aus bzw. einige Pilger*innen haben tatsächlich die gleichen Sachen aufzuhängen und so konnte ich immer sicher sein, dass es sich um meine Wäsche handelte. Keiner hatte sonst die gleiche Idee gehabt. Nun ja, wenn ich bei der nächsten Reise mehr solche Vorhang-Clips sehe, weiß ich, von wem die Idee kam! 😉 *INSIDERTIPP*

Ich habe übrigend keine Wäscheleine dabei gehabt. Auf dem Weg gab es ausreichend Platz auf vorhandenen Wäscheleinen, zumindest für mich: ich wurde relativ früh am Tag mit der Tagewäsche fertig, weil ich relativ kurze Tagesetappen machte und somit früh einchecken und duschen konnte. Habe meine Wäsche meist nicht direkt sondern nur mein Mikrofasertuch an die Leine gehängt, woran ich den Rest meiner Wäsche dank der Klammern befestigte. Platzsparend und sicher, denn so konnte meine Wäsche umso weniger für die einer anderen Person verwechselt werden. *INSIDERTIPP*

Dabei hatte ich auch Lederwachs und ein Tuch für die Pflege meiner Wanderstiefel. Jedoch habe ich lediglich vor der Tour zu Hause und direkt vor der Rückkehr davon gebraucht gemacht. Ich hatte auf dieser Wanderung eben nur 3 Tage Regen. Wären es mehr gewesen, hätte ich sicherlich zwischendrin nachgepflegt. Das Lederwachs war in einem sehr kleinen Alu-Schraubdöschen und das Tuch war auch klein und federleicht. Sie nahmen also nicht viel Platz weg (und Platz genug hatte ich) und ich würde sie beim nächsten Mal wieder mitnehmen.
Wobei ich anderes Zeug als dieses Wachs nutzen würde. Ich hatte ein Döschen reguläres Öko-Lederwachses gekauft und mir scheint es so, als ob es zum Imprägnieren nicht taugt. Mittlerweile habe ich Schuhwachs gekauft, das explizit zum Imprägnieren gemacht wurde, und werde davon in das kleine Döschen vor der nächsten Tour umfüllen.

Wenn überhaupt, nur 1 Döschen und ein Tuch

Für die Freizeit und zum Einkaufen hatte ich mir außerdem eine klitzekleine, federleichte Bummeltasche im Rucksack-Design besorgt. Hat so gut wie nichts gekostet und hat sich bereits hundertfach gelohnt.

Eine Sache würde ich nicht wieder mitnehmen, auch wenn ich es ggf. beim nächsten Mal bereuen werde: einen Rucksackhacken. Habe mich im Pilgerfachgeschäft verführen lassen: er war günstig, nahm kaum Platz weg, war sehr leicht und leicht verstaubar. Aber ich habe es nur bei der ersten Nacht in der Pilgerherberge benutzt, obwohl es nicht nötig gewesen wäre. Ich habe ihn sowieso nach der Tour verloren, nachdem ich ihn nie vermisst hatte. Also beim nächsten Mal start ich ohne sowas. Mal sehen, ob es sich als eine gute Entscheidung entpuppen wird.

Und, unverzichtbar für alle, die in der Natur unterwegs sind, bleibt das Taschenmesser. Ich hatte eine handliche schweizerische Variante dabei. Ein einfaches gutes Bergmesser hatte es auch getan.
Achtung: Taschenmesser können nicht in die Kabine mitfliegen. Die müssen eingecheckt werden.

Eins so wie das da. In der Mitte. X-)

Ich hatte keine Dose für die Aufbewahrung von Essen noch Besteck mit. Bzw. ich hatte nur das Taschenmesser und einen Plastiklöffel dabei, den ich bald verschenkt habe. Ich dachte, ich kann einfach so einkaufen, dass ich keinen Löffel zum Essen brauche. Einer Person, die ich unterwegs getroffen habe, war es jedoch wichtig, ihr Morgenmüsli zu essen, was ohne Löffel schlecht geht. Ich habe ihr meinen Löffel also gegeben.

Jedenfalls habe ich neuerdings im Fachgeschäft ein „Spork“ (Spoon+Fork) gesehen, was sehr handlich, sehr leicht und sehr günstig war. Ich werde es auf der nächsten Tour trotzdem mitnehmen. Schaden kann es nicht, vielleicht verschenke ich es wieder und mache dadurch jemanden glücklich.

Nun, es ist wieder ganz schön viel geworden. Das wird für heute wieder reichen. Zusammenfassend:

Alltagsklamotten:

  • Für die Freizeit:
    Oberteil (extra), Hose (1 der 2 Wanderhosen), Schuhe (meine Surfschuhe), 1 Paar Laufsocken
  • Merinowolle-Wäsche:
    1 x Longsleeve-Oberteil, 1 x Oberteil und lange Unterhose als Schlafanzug
  • Wasserdichter Wäschebeutel
  • Schuhbeutel

Geräte und Utensilien:

  • Handy (ggf. nur GSM) mit Ladegerät
  • Kamera (ggf. Einwegkameras), wobei ich mittlerweile wieder mit Smartphone losziehe,
  • GPS Tracker mit AA-Akkus (mit Smartphone überflüssig aber praktisch)
  • Stirnlampe mit AAA-Akkus
  • AA+AAA-Akku Ladegerät
  • Taschenmesser
  • Besteck ist kein Muss, ein leichter Löffel oder „Spork“ aber „nice“
  • keine Wäscheleine

Hier geht es weiter.

Diese ganze Serie im Überblick:

Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld

Gelernt: Ausrüstung Teil 1

Ich befinde mich nun in der Trainings- und Vorbereitungsphase für meine nächste, deutlich anspruchsvollere Wanderung auf einem Jakobsweg, dem sogenannten „Küstenweg“ , dem Camino del Norte. Im April [sollte es losgehen aber die Covid-19-Epidemie hat es verhindert] und ich [wollte] mir ganze zwei Monate Zeit dafür [nehmen]. Warum so viel Zeit, obwohl sechs Wochen realistisch wären? Erzähle ich ein anderes Mal.

Heute möchte ich auf meine Erfahrung bezüglich der Ausrüstung eingehen und was ich für das nächste Mal daran ändern werde.

Ich bin nämlich sehr glücklich damit gewesen und ein paar Erfahrungswerte sind vielleicht für andere Wanderer*innen hilfreich.

***DISCLAIMER: Ich habe in Pilgerherbergen, Pensionen und Hotels übernachtet. Zelten und Biwak standen bei mir nicht auf dem Programm.***

Nich zu viel, nicht zu wenig… wie geht das?

Gefühlt ist das Thema Gewicht das, was mich am meisten beschäftigt hat:

Es wird empfohlen, nicht mehr als 10% des eigenen Körpergewichts – zzgl. Wassers und Proviants – auf dem Rücken zu tragen. Mit 56kg, ohne Pilger- oder Trekking-Erfahrung, und auch wenig bereits vorhandene geeignete Ausrüstung, konnte ich unmöglich unter 6kg für meinen Rucksack kommen. Es soll grundsätzlich gehen, aber ich bin noch nicht so weit gewesen. Zum Einen musste ich selber herausfinden, was für mich passt und was nicht, und ultraleichtes Equipment kostet viel Geld. Ein bisschen investiert habe ich, aber nicht übermäßig.

Investiert habe ich unter anderem in einen leichteren und weniger voluminösen Schlafsack, der im für mich noch bezahlbaren Bereich war. Damit sparte ich ein halbes Kilo!

Wanderklamotten hatte ich so gut wie keine. Was ich schon da und mitgenommen habe:

  • 1 45+10L Tourenrucksack
    Mein eigener Wanderrucksack war zu gross (60L) und zu alt (20 Jahre und fiel schon auseinander). Ich wollte nicht viel Geld auf einmal ausgeben und habe keinen Neuen gekauft: ich habe den meiner Nachbarin ausgeliehen. Er war perfekt für mich. Was für ein Geschenk!
  • 1 Wanderhose
    die meine Oma nicht mehr trug und mir passte
  • 1 Polyester-„TearAway“-Sport-T-Shirt
    leicht und trocknet schnell
  • 1 atmungsaktive Strickfleece-Kapuzenjacke
    bequem und trocknet schnell
  • 1 Sport-Bikini
    rutscht nicht weg, ist super leicht und diente wunderbar als Ersatzunterwäsche
  • 1 Elasthan-TACTEL®-Unterhose
    Sehr leicht, bequem, trocknet schnell.
    Wollte 2 mitnehmen, habe aber aus Versehen nur 1 eingepackt. Geschichte dazu: hier.
  • 1 Paar kurze Laufsocken
    für die Freizeit nach der Tagesetappe
Wanderstiefel? Halbschuhe? Laufschuhe? Wandersandalen?…???

Gekauft und mitgenommen habe ich:

  • 1 lange Wanderhose mit abtrennbaren Beinen
    leicht, super praktisch. Vor allem mit den seitlichen Öffnungen an den Knöcheln, so dass ich die Beine ausziehen konnte, ohne die Schuhe auch ausziehen zu müssen.
  • 1 Elasthan-Polyester-Kurzarm-Shirt mit kurzem Kragen
    das ich für Wassersport gekauft hatte. Auch sehr leicht, trocknet schnell und schüzt den Nackenbereich ein bisschen vor der Sonne.
  • 1 leichte Wind- und Regenjacke
  • 2 paar Wandersocken
    Die nicht für Vollleder-, sondern für Gore-Tex-Schuhe gedacht waren. Die fand ich jedoch super. Aufgrund der Schwierigkeit, die Socken nach dem Waschen bis zum Packen am nächsten Tag trocken zu bekommen, werde ich beim nächsten Mal 3 Paar Socken mitnehmen. Es ist gegen Blasen- und Fußpilzbildung unheimlich wichtig, stets trockene Füße und entsprechend Socken zu haben.
  • Hochwertige Vollleder-Wanderstiefel
    Für den sogenannten „portugiesischen Küstenweg“ voll übertrieben. Gute Laufschuhe hätten gereicht. Jedoch brauchte ich sowieso neue Wanderstiefel, mit denen ich auch noch im Hochgebirge unterwegs sein könnte. Viele Paar „Wanderschuhe“ wollte ich nicht haben, somit habe ich mich für die sicherste, hochwertigste Variante entschieden, mit der ich überall gut unterwegs sein könnte. Habe mich für Volleder statt Gore-Tex entschieden, weil ich schnell Schweißfüße bekomme und synthetische Stoffe das Schwitzen verschärfen. Ich habe meinen Kauf nicht bereut!
  • Surfschuhe, die ich mit den Einlagen meiner Laufschuhen aufgerüstet habe
    als Ersatzschuhe: mit Badelatschen kann ich nicht lange laufen; der Zehentrenner scheuert mich auf; und Wandersandalen schienen mir für eine so „kurze Tour“ (mind. 2 Wochen, die 4 wurden) etwas übertrieben. Superleicht, bequem dank den Einlagen und dem weichen, wasser- und luftdurchlässigen Stoff, ultragünstig auch noch. *INSERTIPP*
  • 2 Wanderstöcke
    Für den portugiesischen Weg auch nicht zwingend notwendig. Ich fand sie jedoch bei Abstiegen sehr hilfreich und würde heutzutage nicht mehr darauf verzichten wollen.
    Achtung: Stöcke können nicht in die Kabine mitfliegen. Die müssen eingecheckt werden.

Sonstige Wanderausrüstung:

  • Meinen Knieschoner habe ich zu Hause gelassen.
    Das Wandern auf dem Camino Portugués da Costa hat meine Knieschmerzen wider Erwarten nicht verschlimmert, sondern vermindert!!! Ich würde jedoch nicht von mir ausgehen, was Knieschonung für andere angeht. Jede*r muss sich genauer überlegen, was für eine*n besser ist. Ich habe viele Wander*innen gesehen, die damit gelaufen sind. Jeder Körper ist anders und hat seine eigenen Schwachstellen und Verletzungsgeschichte!
    An der Stelle möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass es unterwegs auf Jakobswegen viele Apotheken und Läden gibt, in denen bei Bedarf Knieschoner gekauft werden könnten. Wenn die Probleme wie bei mir nur sporadisch auftauchen und leicht sind, lohnt es sich vermutlich, ohne Knieschoner zu starten.
  • Regenponcho und Gamaschen habe ich gekauft und war froh darüber.
    Allerdings ist ein Regenponcho schon bei milden Temperaturen fast wie eine tragbare Sauna. Unter dem Poncho wird es schnell warm und das Schwitzen macht auch nass. Viele sagen, Sturmregenschirme sind deswegen besser. Ich würde meinen Poncho jedoch nochmal mitnehmen. Er ist leicht und kompakt und bei kühlem Nieselregenwetter super.
    Die Gamaschen habe ich nur ein paar Male auf dem portugiesischen Küstenweg benutzt und bin damit zufrieden gewesen. Sie schützten allerdings bei strömendem Regen nicht mehr davor, Wasser in die Stiefel zu bekommen. Dagegen hilft, glaube ich, nichts.
    Überschuhe fürs Wandern gibt es wohl nicht mehr zu kaufen. Es hilft nur: Schuhe gut imprägnieren und Ersatzschuhe dabei haben. Denn mit nassen Schuhen habe ich mich wund gelaufen.
  • Eine günstige Sportsonnenbrille mit Etui habe ich mir auch gekauft.
    Meine sonstige Sonnebrille war zu zerbrechlich und hat vor seitlicher Sonne schlecht geschützt. Eine gute Entscheidung war das für mich.
  • Schonmal vom „Buff“ gehört?
    Ich habe so ein Multifunktionstuch gekauft und bin begeistert: ultraleicht und kompakt, gut als Ohrenschutz, Halsband, Schal, leichte Mütze. Kann ich wirklich empfehlen.
  • Ich habe 2 Alu-Wasserflaschen dabei gehabt.
    1 Mal 0,75L (neu gekauft) und 1 Mal 0,25L (hatte ich schon da). 1L insgesamt also. Für milde Jahreszeiten für mich völlig ausreichend, denn es gibt genug Möglichkeiten, diese unterwegs aufzufüllen.
  • Das Thema Handtuch war irgendwie spannend.
    Hatte zunächst ein mittelgroßes Mikrofaser-Sporthandtuch in einem Sportladen nach Empfehlung des Personals geholt, was ich tatsächlich auch oft auf Wäscheleinen in den Pilgerherbergen sehen würde. Dann habe ich von „Handtuchkleidern“ gehört und fand ein Modell, was noch leichter als das Sporttuch und extrem günstig war und mir noch praktischer erschien. Ich bestellte es auch noch. Ich fand es deutlich praktischer denn weicher und eben leichter als das Mikrofasertuch und entschied mich, Letzteres zum Verschenken mitzunehmen, denn zu Hause brauchte ich definitiv keine zwei solchen Teile.
    Im Endeffekt habe ich beim Plaudern mit Mitpilger*innen unterwegs erfahren, dass feuchte Wäsche schneller trocknet, wenn sie in ein trockenes Handtuch eingerollt und ordentlich gewrungen wird. Ich rollte also meine nicht-ganz-trocken-gewordene Wäsche vom Vortag in mein Zweithandtuch (das Mikrofaserteil) ordentlich ein und packte das „Päkchen“ in meinen Rucksack. Während meiner jeweiligen Tagesetappe wurde meine Wäsche fast trocken. Ich habe das zweite Handtuch also doch nicht verschenkt und werde es auf meiner nächsten Tour auch mitnehmen! *INSIDERTIPP*

Puh. Habe jetzt schon sehr viel geschrieben. Hier geht es zum Rest meines Wandergepäcks weiter, denn zu meinen finalen 10kg kommen wir mit dem hier aufgelisteten Zeug noch nicht.

Diese ganze Serie im Überblick:

Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld

Rückkehr 1, Teil 2

Nach einer Woche „Zwischenhalt“ bei meiner Familie in der sogenannten „Heimat“ ging es „nach Hause“. Nach Deutschland also. Monate später weiß ich immer noch nicht genau, was dieses „zu Hause“ nun für mich bedeutet. Ob es das Land ist, in dem ich mein Erwachsenenleben verbracht habe, die Stadt, in der ich mich ausgetobt habe und richtig „erwachsen wurde“, mein geliebtes Stadtteil in der mir nicht mehr so genehmen Großstadt, meine nette Nachbarschaft, oder das Nest, das ich mir dort gebaut habe?

Vielleicht kann ich auch woanders ein Nest bauen, jetzt dass ich es überhaupt einmal geschafft habe? Muss ich mir die Großstadt wirklich noch antun, um meinen „Lebensunterhalt“ bestreiten zu können? Kann ich meine Leute nicht auch dann besuchen fahren, wenn ich noch weiter draußen lebe? Würden sie mich noch besuchen kommen? Sind es dann noch Freund*innen, wenn sie mich deswegen nicht mehr besuchen kommen, weil ich weiter weg bin?

Noch habe ich nicht alle Antworten auf diese Fragen. Wobei in der Fragestellung steckt teilweise schon die Antwort auf einiges, meine ich.

„Der Weg“ endet nicht in Santiago de Compostela.

Am Startbahnhof begrüßte mich ein Mann am Schalter, der bei unserer letzten Begegnung so leger mit mir umgegangen war, dass ich dachte, es wäre eine Bekanntschaft aus meiner Kindheit. Der Vater eines Kindes, mit dem ich in die Schule gegangen war, vielleicht? Er wollte erst nicht verraten, ob/woher wir uns schon kannten. Aber verhielt sich so, als ob wir eine tief verwurzelte Verbindung hätten. Ich fragte ihn an dem Tag dann solange, bis er verriet, dass wir uns nicht kannten, aber „man ihn nicht so schnell vergessen würde“ und sagte sowas wie „so ist die Liebe“. Abgesehen davon, dass ich in keinster Weise mit ihm flirten wollte oder Interesse an seiner Person hatte, stand er kurz vor der Rente. Ich war dann 38 und meine flüchtigen Kontakte hielten mich meist für 25. Was stellte er sich denn vor?!
Ich war bei der Aufschlüsselung dieses Rätsels extrem amüsiert und die Situation wurde mir gleichzeitig extrem unangenehm. Als ich mich dann etwas knapp verabschiedete, stand er hinter dem Tresen auf und wurde noch recht melodramatisch. Mir war nicht mehr nach Lachen zumute. Mir war nach Flucht. Ich ging also raus zum Bahnsteig und stellte mich so, dass ich für ihn außer Sicht war.

Menschen sind manchmal ganz schön komisch.

Ich hatte viel Puffer eingeplant, um meinen ersten Anschluss nicht zu verpassen. Bei der letzten „Heimreise“ musste ich nämlich zum Umsteigebahnhof mit dem Auto gefahren werden, denn der Regionalzug dahin hatte zu viel Verspätung.
Mal wieder hatte ich außerdem die Sorge, dass nicht genug Platz für mich im Zug noch vorhanden sein sollte, denn es waren Stoßzeiten und ich hatte sowohl meinen Pilgerinnenrucksack als auch einen Koffer dabei.
Und doch: Der Zug war pünktlich, nicht zu voll für mich und meine Bagage und ich kam sehr entspannt zum Umsteigebahnhof.

Ich frühstückte etwas in der Bahnhofshalle und beobachte dieses merkwürdige Kommen-und-Gehen eines großen Bahnhofs. Eine alte Person setzte sich schräg gegenüber von mir in der Wartehalle hin. Spatzen hatten sich im Gebäude breit gemacht. Sie flatterten und pickten durch die Gegend. Die Dame warf die Krümmel von ihrem Frühstück auf den Boden vor sich, um die Spatzen zu füttern. Ich dachte, ich spinnte. Essen auf den Boden schmeißen, um Tiere zu füttern, die draußen gehörten?! Ich war sofort wieder peinlich gerührt. Und jedoch hatte ich gleichzeitig Mitleid für die Person. Alles fühlte sich falsch an: die Situation, das Verhalten der Menschen, meine Reaktion darauf.

Der nächste Umsteigebahnhof war noch größer. Der Anblick von den vorbeirasenden Menschenmassen mit grauer Miene – alle gestresst – und von den Fressbuden mit schrecklichem Essen sowie der Gestank – eine Mischung aus warmem Stahl, Frittieröl und sonstigem Dreck – verstärkten mein Gefühl von Absurdität bezüglich dieses „zivilisierten“ Lebens ungemein. Diese sinnlose und durchweg ungesunde Hektik überall. Die bekloppte Selbstdarstellung. Kein. Bock. Drauf.

Jedenfalls hatte ich durch die große Verspätung meines Anschlusszugs Zeit, um etwas vor Ort in Ruhe zu essen. Ich hatte beim herumlaufen gesehen, dass es im Bahnhof sogar guten Kaffee zu haben wäre und gönnte mir eine schöne schwarze Brühe. Die ich zwischen Kiosktresen und -glasscheibe zerquetscht trinken musste. Na ja. Immerhin schmeckte es!

Ich musste dann auch nicht mehr umsteigen, um in die Stadt zu fahren, in der ich wohnte: Durch die Verspätung hatte ich keine Zugbindung mehr und konnte die teurere Strecke nehmen. Ich durfte also im Zug fast bis zum Ziel bleiben. Meinen Sitz musste ich auch nicht räumen. Die nächste Person, die den Platz nach meinem geplanten Ausstieg reserviert hatte, hatte sich wohl auch eine Alternativroute ausgesucht und war nicht in diesem Zug.

Die Rückfahrt an sich war also erstaunlich entspannt.

Bei der Ankunft wünschte ich mir, dass eine geliebte Person mich empfangen würde. Es wartete aber niemand auf mich.

Die Wohnung hatte auf mich gewartet. Die Pflanzen sahen sehr gesund aus, meine Etagenachbarin hatte sich liebevoll um sie gekümmert.

Und nun? Ich hatte keine Ahnung. Ich musste erstmal „ankommen“. Die Seele kommt ja zu Fuss, ob man gelaufen, gefahren oder geflogen ist. Sie würde also nachkommen. Vielleicht.

Mein nächster Schritt:
Meine Wohnung für ein halbes Jahr loswerden, um weiterreisen zu können.

Wie es bei mir weiterging, werde ich bestimmt auch bald nacherzählen.

Rückkehr 1, Teil 1

Am Morgen der Abreise hatte ich ursprünglich vor, ins Café zu gehen, in dem ich am Vortag war. Sie machten so früh auf, dass genug Zeit für das Frühstück vorhanden war, bevor der erste Bus kam. Ich blieb jedoch in der Gemeinschaftsküche der Pilgerherberge. Es gab guten Kaffee, ich hatte noch Brot vom Vortag da und gegen Spende habe ich mir Butter aus dem Kühlschrank genommen. In der Hoffnung, dass diese nicht reserviert bzw. von jemandem anderen war. Es gab keinen Namen dran. Ich legte eine entkeimte Münze in den Kühlschrank, wo die Butter stand, die ich verbraucht hatte.

Einige weitere Pilger*innen liefen dann zur Bushaltestelle, viele standen schon da. Wieder überkam mir Angst, dass es nicht genug Platz für mich – dieses Mal im Bus – geben würde. Ich hatte zwar viel Zeit bis meinem Rückflug aus Porto in Portugal, könnte es jedoch nur dann pünktlich schaffen, wenn ich diesen Bus nähme.

Beim Warten kam ich kurz ins Gespräch mit einer Wanderin aus Australien, die in Korsika lebte. Sie teilte meine leichte Frustration darüber, dass es schwierig bis unmöglich war, auf diesem Weg für sich alleine zu sein. Und dass es für sie und für mich doch ruhig etwas bergiger hätte sein können. Sie meinte, dass sie das nächste Mal den sogenannten „Küstenweg“ laufen würde, der in den Pyrenäen begann. So wie ich auch.
Als der Bus kam und alle miteinsteigen konnten, setzte ich mich erleichtert hinten im Bus, die Australierin vorne hin.

Es war ein äußerst seltsames Gefühl, die Strecke innerhalb von wenigen Stunden mit dem Bus zurückzufahren, die Tage und Wochen zu Fuss in Anspruch genommen hatten. Vom Bus aus sah die Strecke unspannend aus. Autobahn. Stadt. Autobahn. Es war unheimlich zu wissen, wie schön und anders diese Reise sein könnte, wenn dafür Zeit eingeräumt wurde und die Möglichkeit bestand.

In Santiago de Compostela musste ich umsteigen. Um die Uhrzeit war der für mich relevante Schalter noch nicht besetzt. Zum Glück wusste ich, mit den Automaten des Busunternehmens gut umzugehen, und konnte die Schlange vor dem Schalter meiden. Anscheinend ergatterte ich am Automaten prompt den allerletzten Platz in dem Bus, den ich nehmen wollte. Glück gehabt!

Für den Umstieg in Santiago und dann am Flughafen in Porto hatte ich sehr viel Zeit.

In Santiago wurde ich beinahe um ein paar Euro von einem Kleindieb, der mit einer Geldwechselmasche ahnungslose Fremde bemogelte, erleichtert. Als ich meine Geldtasche zuckte, intervenierte ein anderer Pilger, der gerade hereingefallen war. „Geben Sie ihm kein Geld! Er hat mir gerade zwei Euro gestohlen!“ Ich entschuldigte mich abweisend beim Betrüger, bedankte mich beim Helfer, drehte mich um und ging ins Busbahnhofs-Café herein, um mir die Zeit mit einem Warmgetränk zu vertreiben.

Willkommen in die normale Welt zurück. Oder so.

Insgesamt war die Rückreise recht belanglos. Trübes Wetter, trübe Stimmung. Ich hatte keine Lust, zurückzukehren. Keine Lust auf Alltag. Keine Lust auf Stadt. Keine Lust auf Menschenmassen. Keine Lust auf schlecht gelaunte Mitmenschen, so weit das Auge reicht.
Auch keine Lust auf die Frage zu antworten, wie es war.

Am Flughafen Porto hatte ich noch viele Stunden Wartezeit. Auch vor dem Einchecken meines Gepäcks. Ich bin also durch die unterschiedlichen Hallen des Flughafens herumgeirrt. Habe jeden Laden angeschaut; sämtliche Kunstwerke von der temporären Ausstellung betrachtet. Habe ein Magazin auf Spanisch gekauft. Einen Kaffee getrunken. Ein Bier sogar. Und grübelte so vor mich hin.

Ich fragte mich zum Beispiel, ob es nicht für mich besser wäre, Wanderwege zu gehen, die keine Jakobswege sind, um dem ständigen „Socializen“ besser entkommen zu können.

Nach dem Check-in hatte ich endlich weniger Zeit totzuschlagen. Und hatte plötzlich Lust, eine vertraute Stimme zu hören. Und telefonierte ein bisschen. Ich hatte so viel zu erzählen und keine Möglichkeit, vermitteln zu können, was ich auf dieser Reise wirklich erlebt hatte. Ich wollte die Person am anderen Ende der Leitung nicht mit Informationen und Eindrücken erschlagen und es gelang mir nicht, irgendetwas passendes zu erzählen. Frust ablassen und Witze reißen konnte ich dann, plaudern nicht so richtig. Oder war da schon Plaudern?

Ich fand es trotzdem schön und tröstend, diese freundliche, vertraute und fröhliche Stimme zu hören.

Während des Flugs zogen die Wolken in mir jedoch wieder auf. Ich war perplex über das Verhalten meiner Mitmenschen, fühlte mich fremd und hatte nur Lust auf eins: Einsamkeit.

Zunächst landete ich bei meiner Familie in der „Heimat“. Erst danach ging es „nach Hause“.

Von dem zweiten Teil meiner Heimreise erzähle ich hier.

Camino 2, Tag 7

An diesem letzten Tag vor meiner Abreise aus Muxía ging ich zum Frühstück in ein Café am Wasser. Churros wollte ich. Churros bestellte ich. Um danach zu merken, dass ich das typische Pan con Tomate nicht probiert hatte, obwohl ich schon länger in Spanien verharrte. Zu spät. Bzw. auf meiner nächsten Reise dann?

Chocolate con Churros

Ich hockte dann etwas länger im Café. Und beobachtete das Leben auf der Straße draußen und in der Gaststätte. Augenscheinlich waren nur Frauen bei der Arbeit: Straßenfegerinnen, Wirtinnen. Im Café-Saal gab es nur einheimische männliche Kundschaft. Es war mir irgendwie unheimlich bis unangenehm und die Erinnerung an die vielen antifeministischen Graffitis auf dem Weg durch Galizien schmerzte wieder.

Es kam der Amerikaner ins Café herein. Er setzte sich zu mir und frühstückte dann auch. Wir plauschten wieder herrlich und ziemlich lang. An dem Tag hatte ich noch vor, das Kap und seine Sehenswürdigkeiten zu erkunden und verabschiedete mich fürs Erste.

Ich folgte dem Jakobsweg bis zum Santuario da Virxe da Barca. Das Wetter war an dem Tag perfekt, um dieses Areal zu bewundern: wechselhaft, windig, mal bedeckt, mal sonnig. Die Atlantik rauschte wuchtig an der Küste. Es erstreckte sich eine karge felsige Landschaft unterhalb der naturbelassenen grünen Weiden.

Ein paar sehenswerte Bauten prangten auf dem Hügel: die Kirche Virxe da Barca so wie das Kunstwerk „A Ferida“ von Alberto Bañuelos-Fournier, das für die Wunde steht, was die Ölpest von 2002 dort hinterließ.

Virxe da Barca
A Ferida

Nachdem ich einmal um das Gelände herum gelaufen war und einige Zeit auf dem Fels gesessen hatte, wollte ich von der anderen Seite des Geländes noch hochklettern. Eigentlich meinte ich das nicht so wortwörtlich, jedoch wurde es tatsächliches Klettern:

Als ich am Fuss des Hügels vor dem Sanktuarium stand, suchte ich nach einem Weg von dieser Seite wieder hoch. Es gab sowas wir Treppen. Und kleine weiße an Steine gemalte Pfeilen schienen einen Weg hoch zu zeigen. Na denn.
Es wurde schnell sehr steil. So steil, dass ich meine Hände brauchte, um mich zu stützen. Ich war etwas überrascht darüber, dass das ein „Weg“ sein sollte. Und sagte zu mir selbst, dass das für die meisten Besucher*innen schlicht und ergreifend unzumutbar wäre. Ich hatte nur noch meine Latschen und keine richtigen Schuhe mehr an. Hatte die nassen Wanderschuhe in der Pilgerherberge gelassen. Zum Glück hatte ich mich gegen Flip-Flops als Ersatzschuhe entschieden und trug etwas rutschfestere und geschlossene Surfschuhe, sowie keinen schweren Rucksack mehr. Ich drehte mich mal um, um zu schauen, wie der Weg zurück ausschauen sollte. „Unmöglich“, dachte ich mir bei dem Anblick. Von der Seite könnte ich nicht mehr absteigen. Es ging nur noch der Bergwand weiter hoch. Und es wurde noch steiler: ab dort gab es sogar KLETTERGRIFFE am Gestein geschraubt, um den Anstieg zu „erleichtern“. Ich war sowohl amüsiert als auch verunsichert. So erklomm ich völlig unvorbereitet und mit halbgünstiger Ausrüstung dieses Monte Corpiño.

Blick auf Muxá vom Monte Corpiño

Als ich oben ankam und mich an der tollen Aussicht sattgesehen hatte, ging ich zurück. Über das Sanktuarium allerdings!

Insgesamt wurde es einen absolut wunderbaren „Spaziergang“ in recht malerisch-mystischer Umgebung.

Ich bummelte anschließend am Hafen lang. Und hatte größte Schwierigkeiten, mir ein Café auszusuchen. Entweder gab es welche, in denen offensichtlich nur Tourist*innen saßen, welche in denen niemand saß oder noch weitere mit sehr wenigen Gästen. Die letzten zwei Kategorien fand ich nicht besonders ansprechend, die touristische Variante war mir aber am wenigsten recht. Ich wollte in einem des letzten zwei Typen einen Calimocho bestellen, um der Tischkolleg*innen meines letzten Abends in Fisterra zu gedenken. Hatten sie aber nicht. Ich nahm ein Glas Sangría stattdessen. Ein Riesenglas wurde es. Das haute mich etwas um.

Als ich mich mit meiner Riesen-Sangría abmühte, lief der Amerikaner am Café vorbei. Bis ich herausgegangen war, um ihn zu rufen, war er zu weit, um die Herkunft des Rufs zu erkennen. Er lief dann weiter und ich ging zurück zu meinem Tisch. Und irgendwann zur Pilgerherberge zurück.

Unterwegs erklang ein Song aus einem offenen Fenster, den ich auf ein Mixtape für einen guten Freund vor Jahren gepackt hatte, als ich aus unserer Wohngemeinschaft auszog. Dieser Freund war auch auf dem Jakobsweg gelaufen. Es passte wunderbar.

In meinem Einzelzimmer saß ich dann eine Weile wieder auf der Bettkante und schaute aus dem Fenster heraus. Es wurde etwas regnerisch und wirkte also nicht so, als ob der Sonnenuntergang für diesen letzten Abend wirklich schön werden könnte. Und doch. Als die Sonne unterging, ging der Himmel auf und es wurde bombastisch. Ich ging schnell raus, um dieses Spektakel mit allen Sinnen erleben zu können. Menschen kamen immer zahlreicher zur Strandpromenade, um diesen Moment festzuhalten. Manche auf Bilder, manche auf Videos, manche starteten Videoanrufe nach Hause. Ich öffnete mein Gehirn, um ein „inneres Bild“ zu schießen.

Der Amerikaner kam auch irgendwann zur Promenade. Über die Distanz schickte ich ein dezentes Lächeln. Die Anwesenden fühlten sich ziemlich klein, meine ich, so vor so viel Meer, so viel Sonne, so viel Schönheit.

Später abends trafen wir uns beide noch in der Küche. Am nächsten Tag würde ich abreisen. Wir quatschten also noch ein wenig. Ich ließ ihn sich auch in mein Pilgertagebuch verewigen.
Später kam ein wahnsinnig netter und interessanter ehemaliger Mönch dazu. Ich hatte mich noch nie mit einem Mönch unterhalten. Ich ging aber bald ins Bett, denn der Bus nach Santiago de Compostela würde extrem früh am Morgen abreisen und ich sollte packen und schlafen gehen. Ich verabschiedete mich also von den beiden.

Über meine Erlebnisse und Gefühle bei der Rückkehr wird hier berichtet.

Camino 2, Tag 6, Teil 2

Nach Beendigung meiner letzten Tagesetappe dieses Wegs in Muxía saß ich also nach dem Mittagessen länger im Restaurant. Ich kam mit dem Gast vom Nachbartisch ins Gespräch. Er gehörte zur Generation meiner Eltern und kam aus den USA. Wir verstanden uns erstaunlich gut und das Gespräch war sehr angeregt. Es kam noch ein Deutscher dazu, der so „typisch deutsch“ in seinem Auftritt war, dass es mir fast schmerzte und gleichzeitig das Herz erweichte. Den Wein von meinem Pilgermenü konnten wir so zusammen austrinken. Ich bestellte anschließend mehrmals Kaffee.

Ich verließ die Gaststätte, als die beiden noch weiter miteinander quatschten, und ging zurück in die Pilgerherberge. Eine Sache, die mir bei der Auswahl meiner Unterkunft für die zwei kommenden Nächte wichtig war, war die Möglichkeit, vor Ort günstig meine Wäsche in einer Waschmaschine waschen und idealerweise im Trockner trocknen zu können.
Ich fand die Handwäsche mit Shampoo sonst ziemlich zufriedenstellend und konnte mich zum Beispiel nicht wie manche darüber beklagen, dass meine Klamotten trotz Waschen stanken, aber mit so einem Waschmaschinengang würde alles auf jeden Fall wieder ganz sauber. In der Herberge kümmerte sich die Mutter der Familie, die den Laden betrieb, um die Wäsche. Ich sollte einen Korb fühlen und abgeben und würde meine Sachen später einfach – gegen wenig Geld – sauber und trocken zurück bekommen. Ich gab also meine zwei Wandersockenpaare, meine eine Unterhose, meine zwei Sport-BHs, meine zwei Sport-Oberteile, mein Freizeitsoberteil, meine zwei Wanderhosen, meine Jacke für die „Zwischenlage“ bzw. als Pulli-Ersatz, meine zwei Handtücher, meine Mütze und mein Multifunktionstuch ab. Praktisch alles, was ich an Klamotten getragen hatte, die waschmaschinenfest waren und ich nicht gerade anhatte.

Ich setzte mich dann in meinem Einzelzimmer auf die Bettkante meines großen Betts, führte Tagebuch und ließ einfach der Meeresblick und das dazugehörige Rauschen auf mich wirken. Stundenlang.

Als ich in die Gemeinschaftsküche ging, um mir einen Kaffee zu machen, wurde meine Wäsche gerade fertig. Perfektes Timing! Es war sehr schön, dass meine Sachen nun wohlriechend, warm, flauschig und ganz trocken wurden. Das mit dem durchtrocknen hatte die letzten Tagen (oder war das schon Wochen?) aufgrund des herbstlichen Wetters nicht mehr ganz geklappt.

Im Übrigens hatte ich an dem Tag die EINZIGE Fussblase, die ich auf meiner vierwöchigen Reise bekommen würde. Ich denke, sie entstand aus folgenden Gründen: Ich hatte nicht nur feuchte, sondern vollkommen nasse Füße gekriegt, auf der Tagesetappe gab es knapp 600 Höhenmeter insgesamt zu überwinden und ich hatte weniger Acht auf meine Füße bzw. meinen Gang gegeben, so dass ich bestimmt streckenweise ungünstig gelaufen war. Zu schnell zum Ende hin zum Beispiel.

Auch die Blase war mir aber egal. Ich war ANGEKOMMEN. 🙂

Unterwasserwandern

Abends setzte ich mich wieder in die Küche zu meinem amerikanischen Gesprächspartner vom Mittagessen und einer angeregt erzählenden Frau, mit der er gemeinsam Abendbrot aß. Sie würde am nächsten Morgen abreisen und schmierte sich Brötchen für die Reise. Sie meinte, sie hätte zu viel Essen übrig, und verschenkte mir den Rest davon. Auch im Kühlschrank gäbe es noch Nudelsoße und geriebenen Käse, den ich aufessen könnte. Im Schrank lägen viele angebrochenen Packungen Nudeln, die Tagespilger*innen nach ihrer einen warmen Mahlzeit vor Ort hinterlassen hätten.

Ich war ihr dafür sehr dankbar.

Allerdings sprach sie schnell, laut und unterbrochen, so dass ich innerhalb von wenigen Minuten Kopfschmerzen von der „Konversation“ kriegte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen dafür, deswegen schnell wieder gehen zu wollen, obwohl ich gerade teilweise gefüttert wurde, und bemühte mich einen Augenblick noch, dabei zu bleiben. Aber das wurde mir schnell zu albern. Ich ging zunächst kurz in mein Zimmer, um meine Tasse vom Nachmittag holen zu gehen, und wusch ab.

Nützliche Ablenkung

Sie hatte geredet, als ich die Küche verließ, und redete immer noch im gleichen Tempo und der gleicher Lautstärke, als ich zurückkam. Ich fand das unerträglich und verabschiedete mich für die Nacht. Ich war verblüfft vom Amerikaner, der sich nicht nur das Ganze geduldig anhörte, sondern auch noch Fragen zwischendrin stellte. Ihm war zwar der Schmerz ins Gesicht geschrieben, Anstand und Höflichkeit waren ihm anscheinend jedoch wichtiger.

Ich finde Rücksicht und Achtsamkeit wichtiger als Anstand und Höflichkeit; das ist womöglich aber nur eine Frage der Perspektive. Oder der Generation.

Am nächsten Tag war das Wetter wunderbar und ich konnte diesen magischen Ort etwas erkunden. Eindrücke davon habe ich hier geteilt.

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