„Hinkommen“
„Wir haben das schlechteste Café Portos gefunden!“
— Meine erste „bestätigte“ Mitpilgerin.
So. Hier ist es. Mein erster Blogeintrag zu meiner ersten Wanderung auf dem Camino Portugués, dem Jakobsweg aus Portugal aus. Bzw. das ist mein erster Nachtrag. Ich habe vor knapp 2 Wochen diese Wanderung beendet. Mein Körper befindet sich wieder im vertrauten und nun jedoch befremdlichen Großstadtumfeld. Meine Seele dagegen ist wohl noch zu Fuss unterwegs und kommt irgendwann nach. Ich bin nicht ganz da. Oder ist es einfach so, dass das alte Ich einfach nicht mehr zurückkommen wird und ich muss mich eben als leicht anderer Mensch wieder einleben?
Es fühlt sich sogar so an, als ob ich das alles geträumt hätte. Ich habe zwar „Beweismaterial“ in Form von Bildern, Videos und Mitbringseln und tausche mich mit Wegbegleiter*innen aus, jedoch ist es kaum zu fassen. Der Kontrast zwischen dann/dort und jetzt/hier ist zu krass. Ich habe keine Lust auf dieses Hier-und-Jetzt. Ich will zurück. Oder weg. Oder fort. Das macht mich alles sehr perplex…
Was ist überhaupt mein Weg gewesen? Ich bin nach Porto, Portugal, geflogen, um von dort aus zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela, Spanien, teilweise über die Atlantikküste zu laufen. Optional noch weiter, wenn ich dann noch Zeit und Lust haben und fit genug sein sollte. Es waren ca. 260km nach Santiago, und es wurden noch weitere 90km nach Muxia über das Kap Finisterre. Eigentlich mehr. Denn mit Umwegen und etwas Bummeln bin ich insgesamt innerhalb von 4 Wochen mehr als 460km gelaufen.
Ganz gemütlich. Also, „gemütlich“. Habe mir Zeit gelassen. Und der richtige Wanderungsstartschuss war eben erst nach ein paar Tagen „Sightseeing“ in Porto. Wobei ich im ländlichen Umland von Porto unterkommen sollte: Freunde von einem Bekannten hätten ein tolles Haus und ich „sollte mich mit der Hausbesitzerin wunderbar verstehen“. Na denn…
„Heimat“ -> Porto
Schon beim Check-in in meiner Heimatstadt habe ich Mitpilger*innen erkannt. Ähnliche Ausrüstung, ähnliches Gepäck. Und ähnliche ernste Miene: wir hatten uns jetzt ganz schön was vorgenommen. Und wir hatten uns es sicherlich alle drei deswegen vorgenommen, weil wir größere Brocken zu verarbeiten hatten. Zumindest projizierte ich einfach mal so meine Intention auf sie. Und fragte mich, ob wir uns unterwegs nochmal und wenn ja wie oft begegnen würden.
Die beiden habe ich nie wiedergesehen.
Auch in Porto gelandet gesellte sich eine weitere Pilgerin zu mir auf die Sitzbank an der Flughafen-U-Bahn-Station. Sie war mit dem Wandern gerade fertig und kam nach Porto zurück, um sich die Stadt vor der Heimreise noch anzugucken. Ich hatte es andersherum geplant: zuerst Porto besichtigen und dann einfach laufen.
Wir hatten beide Hunger und machten uns auf die Suche nach einem Supermarkt. Vor dem Einkaufszentrum gab es ein Café, was Kleinigkeiten zu essen anbot. Wir setzten uns erstmal hin. Es folgte eine wunderliche Zeit mit teilweise absolut überforderter, teilweise spottlustiger Bewirtung und ganz schlechtem Essen. „Wir haben das schlechteste Café Portos gleich gefunden!“ Stark. Wir gingen danach etwas Proviant besorgen und verabschiedeten wir uns. „Bon Camino!“ wünschte sie mir. Und ich so: „Gute Heimreise!“. Sie hatte kein Bock.
Ich verstehe sie sehr gut.
Von Porto aus nahm ich einen Zug ins Umland, dann ein Taxi weiter in die Pampa. Über Schuttpisten mit riesigen mit Regenwasser befüllten Schlaglöchern kam ich zu den Freunden meines Bekannten. Nachdem ich von der Hausherrin sowie ihren 3 großen Hundinnen super freundlich und enthusiastisch in Empfang genommen wurde, stellte ich fest, dass ich eine von meinen zwei Unterhosen für den Weg nicht eingepackt hatte. Also, ich hatte praktisch nur die eine Unterhose dabei, die ich gerade trug. Gut, dass ich meinen Bikini im Gepäck hatte. Die Bikini-Hose würde bestimmt eine gute Zweitunterhose… Wurde sie. 🙂
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4 Kommentare zu „Camino 1, Tag 1“