Sooo. Langsam neigt sich diese Serie ihrem Ende zu. Wir haben uns die Packliste für meine letzte bzw. nächste Jakobsweg-Wanderung ziemlich genau angeschaut. Ich hoffe, einiges war für Euch hilfreich. Ein paar wichtige Dinge fehlen aber noch im Gepäck:
- Proviant
- „Pilgerzeug“
- Dokumente und Geld
Lasst uns heute darüber sprechen und das Thema fürs Erste abschließen.
Proviant
Ich bin durchweg mit „altem“, ja, fast trockenem Brot durch die Gegend gelaufen. Ich hatte immer Angst, mal zu keinen Lebensmitteln zu kommen, wenn ich sie brauchen würde. Darum habe ich immer das Brot zum Essen in den Gaststätten, die ich täglich zu Mittag besuchte, in eine Tüte („Zipbeutel“ ) eingepackt und in mein Gepäck verstaut, anstatt es gleich zu essen. Ich ging auch ab und zu ein bisschen einkaufen. Ein großes Stück Schnittkäse, das allmählich kleiner wurde, war auch mein Wegbegleiter.
Das wurde im Fall meiner Tour auf Jakobswegen eher zum Gimmick. Es gab immer überall genug essen zu bestellen oder kaufen, wenn ich Hunger hatte. Ich hätte also nichts dergleichen mitschleppen müssen.
Jedoch würde ich auf folgende Proviante bzw. Snacks nicht verzichten wollen, weil sie mir unterwegs genutzt und aufgepäppelt haben:
- Ungesalzene gemischte Nüsse
(in wiederverschließbarer Packung) - Kekse
(auch in wiederverschließbarer Tüte)
Dazu würde ich empfehlen, ab und zu auf dem Weg Obst zu kaufen. Bananen und Äpfel lassen sie sehr gut griffbereit ins Gepäck verstauen.

Dies und alles andere kann bei Bedarf (nach-)gekauft werden.
„Pilgerzeug“
Ohne Pilgerausweis wird es schwer zu pilgern. Denn ohne Pilgerausweis gibt es keinen Einlass in die Pilgerherbergen und am Ende des Wegs kann die offizielle „Compostela“ nicht ausgestellt werden*.
Die Jakobsmuschel ist auch seit eh un je das Erkennungsmerkmal der Menschen, die nach Santiago de Compostela gehen. Ursprünglich wurde die Muschel erst am Ziel gefunden (am Strand von Fisterra zum Beispiel) oder ergattert (in Santiago gekauft/geschenkt bekommen). Mittlerweile gehört sie zur Ausrüstung jeder Person, die auf Jakobswegen unterwegs ist. Ganz gleich, ob sie sich auf dem Weg hin oder zurück befindet. Wer eine (echte oder symbolische) Jakobsmuschel sichtbar ans Gepäck hängt, macht sich dadurch erkennbar.
Meiner Erfahrung nach genießen Wander*innen auf Jakobswegen unglaublich viel Unterstützung und Ermutigung von den Einheimischen. Eine am Gepäck baumelnde Jakobsmuschel darf also nicht fehlen.
Ich hätte diese Reise nicht so genießen können, wenn ich keine Möglichkeit gehabt hätte, meinen Weg zu dokumentieren und Eindrücke, Gefühle und Gedanken festzuhalten. Ich führe grundsätzlich gerne Tagebuch und hatte eins dabei. Ein paar Stifte auch. Mindestens 2 für den Fall, dass mir die Tinte unterwegs ausgehen sollte. (Ich war sehr froh darüber, gleich einen Ersatz dabei zu haben, als es passierte!)
Es gibt sogar Pilgertagebücher: mit Vorlagen, um u.a. Distanzen, Routen, Unterwegsbekanntschaften, Wetter, usw. auch festhalten zu können. Das fand ich äußerst praktisch und schön.
Ich würde lieber in einen Buchladen gehen, anstatt sowas online zu bestellen, um das Tagebuch vor dem Kauf in die Hand nehmen zu können. Gewicht und Größe sollten auch passen. In den meisten Läden kann man sich das Wunschbuch ohne Kaufpflicht bestellen lassen, wenn es nicht vorrätig ist.
Ohne Tagebuch hätte ich außerdem unmöglich so detailreich und realitätstreu über meine Wanderung nachträglich berichten können.

*Um eine offizielle Compostela erhalten zu können, braucht es mehr als einen Pilgerausweis in der Tasche. Dazu gibt es bereits genug Infos im Netz oder in Pilgerführern, die sich lohnen, vor dem Start gut zu verinnerlichen. Ich meine, es wäre bitter, nach einer solchen langen Wanderung und so viel Zeit in der Warteschlange am Pilgerbüro am „Ziel“ gesagt zu bekommen, dass dies und jenes doch fehlt. Hier zum Beispiel könnt Ihr Euch darüber informieren.
Weitere und wichtige Dokumente und Kleinigkeiten dürfen außerdem nicht fehlen:
Dokumente und Geld
Der Pilgerausweis ist kein Ersatz für den Identitätsnachweis und ein gültiger Ausweis ist Pflicht. Spätestens am Flughafen würdet Ihr es bereuen, ihn zu Hause liegen gelassen zu haben: Auch innerhalb der EU muss man sich ausweisen können.
Ich hatte meinen Personalausweis und nicht meinen Reisepass dabei, um Platz und Gewicht zu sparen. Als EU-Bürgerin brauchte ich nichts weiteres.
Der Jakobsweg durchläuft Städte und Dörfer. Und dort, wo mit Bargeld eingekauft werden kann, gibt es meist Geldautomaten. Es wird also empfohlen, lediglich genug für 2 Tage Verpflegung und Übernachtung in Bar (in meinem Fall ca. 50€) mit sich zu tragen, bei Gelegenheit Geld abzuheben (Achtung: nur mit internationalen Karten z.B. Kreditkarten überall möglich!) und sonst entweder gleich per Kreditkarte zu zahlen (Achtung: bei Eurer Bank fallen möglicherweise Gebühren!).

Anstatt all dies in einer regulären, sperrigeren Brieftasche mit mir zu tragen, hatte ich eine Reisegeldtasche genommen, die dafür gedacht war, an den Hals gehängt zu werden, und es ermöglichte, Wertsachen für Taschendiebe nicht greifbar zu machen. An nur wenigen Stellen müssen Wander*innen auf Jakobswegen auf Ihre Wertsachen aufpassen, darum war das nicht der Grund für diese Wahl. Sondern: diese Tasche war viel dünner und leichter als das, was ich im Alltag mit mir schleppte, und sollte deswegen reichen.
Im Übrigen würde ich sie nicht um den Hals tragen, wenn ich viele Kilometer laufen sollte: die Kordel würde die Haut am Nacken und/oder am Hals aufscheuern.
Allerdings würde ich den Pilgerausweis nicht in eine zusätzliche Tasche wegstecken, sondern immer griffbereit haben wollen. Das erleichtert die Handhabung in den Gaststätten, in denen einen Stempel auf den Ausweis geholt werden könnte bzw. sollte.
Eine letzte Sache hatte ich noch dabei. Eine ausgedruckte Adressliste.

Auf meiner letzten 4-wöchigen Tour hatte ich kein Smartphone dabei. Und hatte also die Adressliste der Menschen, denen ich auch mal Postkarten zukommen lasse, vor der Abreise ausgedruckt und eingepackt. Es war schön, ein paar Male während der Reise Postkarten zu schreiben und abzuschicken. Einmal kurz nach meinem Start von Porto in Portugal, einmal in Santiago de Compostela in Spanien, die Letzte habe ich von Fisterra aus abgeschickt.
Es haben sich alle sehr darüber gefreut, die mal wieder „echte Post“ von mir auf dieser besonderen Reise empfangen haben.
Und so kam ich auf meine ca. 10-Kilo-Gepäck zzgl. Wasser und Proviant. Auf dem Weg fand ich das – wie meine Wanderung auf dem Weg selbst – perfekt.
Diese ganze Serie im Überblick:
Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld
¡Buen camino!
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