Schon ein Monat ist es her, dass ich zuletzt geschrieben habe. Und was für einen Monat! Am heutigen Tag scheint es mir aufgrund der Covid-19-Epidemie unmöglich, den Camino del Norte im April und Mai zu laufen und mehr Zeit hätte ich – laut aktueller Planung – dafür nicht. Darum muss ich diese nächste Jakobsweg-Wanderung auf später verschieben. Aber! Es hindert mich nicht daran, meine Erfahrung mit der Ausrüstung auf „dem Weg“ bisher weiterzugeben. Ich habe das letzte Mal nämlich nur von einem Bruchteil meines Equipments geschrieben. In dem Sinne geht es heute damit weiter.
Im vorigen Beitrag ging es direkt um die Wanderklamotten und -Ausrüstung, sowie um den Schlafsack. In diesem hier geht es darum:
- Alltagsklamotten
- Geräte und Utensilien
Später wird es Erfahrungswerte noch dazu geben:
- Reiseapotheke
- Hygieneprodukte
- Proviant
- „Pilgerzeug“
- Dokumente und Geld
Na gut. Dann wollen wir mal…
Alltagsklamotten:
Es wird empfohlen, ein Oberteil und eine Hose sowie Schuhe für die Freizeit nach der Tagesetappe dabei zu haben. Ich hatte ein (schon 15 Jahre altes!) ultraleichtes Top aus synthetischen Fasern dabei und keine 3. Hose dabei: Ich bin praktisch nur mit der einen Trekkinghose (mit den abtrennbaren Beinen) gelaufen und habe die 2. Wanderhose für die Freizeit reserviert. Dadurch, dass es im Herbst auf der Strecke nicht sehr warm war und ich nach den Tagesetappen keinen großen Tatendrang verspürte, mussten die „Freizeitklamotten“ nur wenige Male während der gesamten 4-wöchigen Tour gewaschen werden.
Meine Laufsocken hatte ich auch zu diesem Zweck mit eingepackt und diese wurden zwar öfter als der oben genannte Rest jedoch nicht täglich gewaschen.
Ich hatte kein 3. Paar Schuhe dabei. Nur die Wanderstiefel und meine Surfschuhe. Ich finde, die Surfschuhe sehen sehr gut aus und taugten wunderbar als Haus- und Stadtschuhe. Ich habe es sehr genossen, geschlossene und jedoch leichte sehr bequeme Schuhe in der Freizeit tragen zu können.
Auf dem Monte Corpiño in Muxía, wo meine letzte Wanderung endete, habe ich sie aus Versehen sogar als Kletterschuhe (!) benutzt. Die Geschichte dazu gibt es hier zu lesen.
Ich hatte auch 3 Teile aus Merinowolle für diese Reise ergattert, weil sie warm UND kühl halten, leicht und geruchshemmend sind und außerdem nicht unbedingt gewaschen werden müssen. Das klang wie ein Wundermaterial und ich dachte, damit kann ich nichts falsch machen.
Ich kaufte also ein Oberteil mit langen Ärmeln für kältere Tage, sowie ein Top mit Spaghettiträgern und eine passende lange Unterhose dazu. Die Letzteren wurden mein Schlafanzug. Sie hielten ihr Versprechen und mehr: die sahen richtig gut aus!
Ich glaube, ohne sie reise ich nun nirgendshin.
Allerdings hätte ich sie vor der Reise doch waschen sollen. Das sollte man grundsätzlich mit neu gekaufter Wäsche machen, ich habe es bislang nur selten so gemacht und hatte nie Probleme. Dieses Mal leider doch: ich meine, ich bin allergisch gegen ein Produkt, was nach dem Kauf noch dran heftete. Die ersten Nächte waren entsprechend recht herausfordern und ich musste tricksen, um im Schlafraum in Pilgerherbergen nicht laut niesen zu müssen. Zum Glück konnte ich bald Allergietabletten kaufen und der Effekt hat mit der Zeit nachgelassen. Das allergieauslösende Zeug ist vermutlich langsam verdampft. Was ich daraus gelernt habe? Neue Klamotten immer waschen, bevor sie mit auf die Reise dürfen.
Ich hatte auch einen wasserdichten Beutel für meine saubere Wäsche dabei. Auf meiner Tour gab es wenig Regen und somit ist kein Wasser in meinen Rucksack durchgedrungen. Und ich musste den Beutel nie auf nassen Boden legen. Jedoch ist es ungemein wichtig, die saubere Wäsche stets trocken aufbewahren zu können. Ich würde in der Zukunft also nicht darauf verzichten.
Einen Sportschuhbeutel habe ich mir ebenso geholt. So bleiben etwaige Gerüche von getragenen Ersatzschuhen und dreckiger Wäsche, die man noch nicht waschen konnte/wollte, im Gepäck schön unter sich.
Geräte und Utensilien
Im Bereich „Geräte und Utensilien“ hatte ich zugleich weniger als viele und zugleich mehr als die meisten dabei. Was ich damit meinte:
Ich war ohne Smartphone unterwegs. Jap. Es ist kaum zu glauben, aber es ging. Auch im Jahr (damals) 2019! 😉 Dabei hatte ich ein einfaches GSM-Handy.
Vorteile:
- Wirklich offline zu sein fühlte sich wunderbar an. Ohne Versuchung ist es einfacher.
- Es wiegt weniger als die meisten Smartphones.
- Ich telefoniere und texte grundsätzlich wenig und hatte das Teil nur einmal abends angeschaltet. Ich musste es vielleicht einmal (!) pro Woche aufladen.
Nachteile:
- Keine GPS-Ortung
(die ich nicht vermisst habe: sich ein bisschen zu verlaufen gehört zum Reisen dazu.) - Tickets (zum Beispiel für die Rückreise) müssen entweder im Voraus (meist nur bei der Bahn möglich) oder in Santiago in einem Internet-Café ausgedruckt werden. Jawohl, sowas gibt es in Spanien tatsächlich noch. Mit Desktop-Computern und Druckern und so.
- Damit kann man wirklich keine brauchbaren Bilder schießen.
Deswegen hatte ich Einwegkameras und einen einfachen GPS-Tracker mitgenommen.
Ich hatte insgesamt 2 Kameras dabei: eine Reguläre und Eine für Unterwasser-Shots. Ich wusste nämlich, dass es potenziell viel Regen geben könnte und dachte, es wäre eine gute Möglichkeit für mich, auch bei schlechtem Wetter Fotos zu schießen, ohne die Kamera dabei kaputt zu machen.
2 Einwegkameras sind nicht mal 60 Shots. Für 2-4 Wochen auf einer solchen Reise ist das ganz schön wenig, ja. Nun, ich bin nicht so die Paparazza und schieße grundsätzlich wenig Bilder von meinen Reisen. Ich drückte so wirklich „bewusst“ ab. Es hatte noch einen Vorteil: so blieb ich in Kontakt mit mehreren Mitpilger*innen der letzten Tage, denn ich hob meine allerletzten Shots auf und bat meine Wegbegleiter*innen unterwegs darum, mir ein paar Bilder von der jeweils gemeinsamen Tagesetappe per Mail zukommen zu lassen. Ich habe mich ein paar Tage nach der Rückkehr ungemein darüber gefreut, als die Bilder nach und nach in mein Postfach hineinschneiten.
Der GPS-Tracker habe ich vorrangig für die Dokumentation meiner Tagesetappen benutzt: „Wie viele Kilometer, wie viele Stunden bin ich heute gelaufen?“ „Welche war heute meine Durchschnittsgeschwingkeit?“. Auf dem Gerät kann man nämlich keine Karten laden und ich hatte keine GPS-Koordinaten der Route mitgenommen. Es ist ein einfaches, jedoch sehr befriedigendes Gerät, das fürs Wandern und Fahrradfahren gemacht wurde. Mit AA-Akkus betrieben, welche nur alle paar Tage aufgeladen werden mussten, obwohl das Gerät 5 bis 10 Stunden am Stück täglich angeschaltet blieb.
Dafür und für die AAA-Akkus für meine Stirnlampe hatte ich also noch ein passendes Kombiladegerät dabei.
Die Stirnlampe hatte ich kurzerhand nicht mitgenommen. Ich wollte keine riesige Tagesetappen vollbringen. Ich hatte vor, mir Zeit zu lassen. Ich stehe ungern früh auf und würde erst nach dem Sonnenaufgang losgelaufen können. Dafür war es also tatsächlich überflüssig. Jedoch würde ich beim nächsten Mal nicht mehr darauf verzichten wollen: die paar Male, an denen ich doch vor dem Sonnenaufgang losmarschiert bin, habe ich gemerkt, dass es selbst mit Stirnlampe teilweise schwer ist, nicht auf die Nase zu fallen. Wenn der Weg nicht über Strassen, sondern durch die Natur verläuft, ist eine Stirnlampe im Dunkeln halt notwendig. Insbesondere im Wald war das *mit* (fremder) Stirnlampe gruselig und holprig. Ich würde in der Zukunft auch nicht mehr auf den Sonnenaufgang warten müssen, um entspannt zu starten. Die Stirnlampe gehört also doch zur Pflichtausrüstung für solche langen Touren.
Elektrotechnisch war es dann schon bei mir.
Dann hatte ich noch 10 „Wäscheklammer“ da. Also, eigentlich sind es Klammer für Vorhänge gewesen, die ich nicht mehr nutzte und mir passend erschienen:
Diese sind sehr leicht, sehr robust und haben meine Wäsche auf den Herbergenwäscheleinen unmissverständlich gekennzeichtet. Manches sieht dort eben gleich aus bzw. einige Pilger*innen haben tatsächlich die gleichen Sachen aufzuhängen und so konnte ich immer sicher sein, dass es sich um meine Wäsche handelte. Keiner hatte sonst die gleiche Idee gehabt. Nun ja, wenn ich bei der nächsten Reise mehr solche Vorhang-Clips sehe, weiß ich, von wem die Idee kam! 😉 *INSIDERTIPP*
Ich habe übrigend keine Wäscheleine dabei gehabt. Auf dem Weg gab es ausreichend Platz auf vorhandenen Wäscheleinen, zumindest für mich: ich wurde relativ früh am Tag mit der Tagewäsche fertig, weil ich relativ kurze Tagesetappen machte und somit früh einchecken und duschen konnte. Habe meine Wäsche meist nicht direkt sondern nur mein Mikrofasertuch an die Leine gehängt, woran ich den Rest meiner Wäsche dank der Klammern befestigte. Platzsparend und sicher, denn so konnte meine Wäsche umso weniger für die einer anderen Person verwechselt werden. *INSIDERTIPP*
Dabei hatte ich auch Lederwachs und ein Tuch für die Pflege meiner Wanderstiefel. Jedoch habe ich lediglich vor der Tour zu Hause und direkt vor der Rückkehr davon gebraucht gemacht. Ich hatte auf dieser Wanderung eben nur 3 Tage Regen. Wären es mehr gewesen, hätte ich sicherlich zwischendrin nachgepflegt. Das Lederwachs war in einem sehr kleinen Alu-Schraubdöschen und das Tuch war auch klein und federleicht. Sie nahmen also nicht viel Platz weg (und Platz genug hatte ich) und ich würde sie beim nächsten Mal wieder mitnehmen.
Wobei ich anderes Zeug als dieses Wachs nutzen würde. Ich hatte ein Döschen reguläres Öko-Lederwachses gekauft und mir scheint es so, als ob es zum Imprägnieren nicht taugt. Mittlerweile habe ich Schuhwachs gekauft, das explizit zum Imprägnieren gemacht wurde, und werde davon in das kleine Döschen vor der nächsten Tour umfüllen.
Für die Freizeit und zum Einkaufen hatte ich mir außerdem eine klitzekleine, federleichte Bummeltasche im Rucksack-Design besorgt. Hat so gut wie nichts gekostet und hat sich bereits hundertfach gelohnt.
Eine Sache würde ich nicht wieder mitnehmen, auch wenn ich es ggf. beim nächsten Mal bereuen werde: einen Rucksackhacken. Habe mich im Pilgerfachgeschäft verführen lassen: er war günstig, nahm kaum Platz weg, war sehr leicht und leicht verstaubar. Aber ich habe es nur bei der ersten Nacht in der Pilgerherberge benutzt, obwohl es nicht nötig gewesen wäre. Ich habe ihn sowieso nach der Tour verloren, nachdem ich ihn nie vermisst hatte. Also beim nächsten Mal start ich ohne sowas. Mal sehen, ob es sich als eine gute Entscheidung entpuppen wird.
Und, unverzichtbar für alle, die in der Natur unterwegs sind, bleibt das Taschenmesser. Ich hatte eine handliche schweizerische Variante dabei. Ein einfaches gutes Bergmesser hatte es auch getan.
Achtung: Taschenmesser können nicht in die Kabine mitfliegen. Die müssen eingecheckt werden.
Ich hatte keine Dose für die Aufbewahrung von Essen noch Besteck mit. Bzw. ich hatte nur das Taschenmesser und einen Plastiklöffel dabei, den ich bald verschenkt habe. Ich dachte, ich kann einfach so einkaufen, dass ich keinen Löffel zum Essen brauche. Einer Person, die ich unterwegs getroffen habe, war es jedoch wichtig, ihr Morgenmüsli zu essen, was ohne Löffel schlecht geht. Ich habe ihr meinen Löffel also gegeben.
Jedenfalls habe ich neuerdings im Fachgeschäft ein „Spork“ (Spoon+Fork) gesehen, was sehr handlich, sehr leicht und sehr günstig war. Ich werde es auf der nächsten Tour trotzdem mitnehmen. Schaden kann es nicht, vielleicht verschenke ich es wieder und mache dadurch jemanden glücklich.
Nun, es ist wieder ganz schön viel geworden. Das wird für heute wieder reichen. Zusammenfassend:
Alltagsklamotten:
- Für die Freizeit:
Oberteil (extra), Hose (1 der 2 Wanderhosen), Schuhe (meine Surfschuhe), 1 Paar Laufsocken - Merinowolle-Wäsche:
1 x Longsleeve-Oberteil, 1 x Oberteil und lange Unterhose als Schlafanzug - Wasserdichter Wäschebeutel
- Schuhbeutel
Geräte und Utensilien:
- Handy (ggf. nur GSM) mit Ladegerät
- Kamera (ggf. Einwegkameras), wobei ich mittlerweile wieder mit Smartphone losziehe,
- GPS Tracker mit AA-Akkus (mit Smartphone überflüssig aber praktisch)
- Stirnlampe mit AAA-Akkus
- AA+AAA-Akku Ladegerät
- Taschenmesser
- Besteck ist kein Muss, ein leichter Löffel oder „Spork“ aber „nice“
- keine Wäscheleine
Hier geht es weiter.
Diese ganze Serie im Überblick:
Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld
4 Kommentare zu „Gelernt: Ausrüstung Teil 2“