Camino 1, Tag 5

Am Vorabend hatte sich der Campingplatz in Angeiras nach meinem Sprung ins Schwimmbad von etlichen Mitpilger*innen gut gefüllt. Und am nächsten Morgen traf ich auf viele unterwegs. Mich überkam langsam Angst, dass ich für die Nacht kein Bett mehr finden würde. Zumal hatte ich von anderen schon gehört, dass in der letzten Pilgerherberge nicht alle unterkommen konnten, die unterkommen wollten.
Es war ein seltsames Gefühl, den anderen Wander*innen ehrlich einen „guten Weg“ zu wünschen und sie gleichzeitig mit dem Gedanken zu überholen, dass ich meine Chance auf eine günstige Unterkunft damit erhöhte, wenn ich schneller als sie bleiben würde. Es war kein schöner Gedanke.

Dagegen kämpfte ich unter anderem damit, dass ich eine Meditationspause einlegte. Am Wikingerdorf von S. Paio setzte ich mich auf den Fels mit dem Körper zum Meer gewendet und bemühte mich, mich zu entspannen. Es ging gut. In dem Moment zumindest.

Das Rauschen des Meeres wirkt bei mir immer beruhigend.

Als es Richtung Mittagspause anstieß, lief ich gerade in Vila do Conde rein, was ein mögliches Etappenende für mich hätte werden können. Ich wollte aber weiter und suchte mir zunächst eine Gaststätte, um essenstechnisch erstmal ordentlich reinzuhauen.
Ich fand ein hübsches Restaurant mit attraktivem Tagesmenü, das gleich aufmachen würde. Der Wirt war extrem freundlich und versuchte mir nach Nachfrage den Unterschied zwischen dem spanischen „¡Hola!“ und dem portugiesischen „Olá!“ zu verdeutlichen, denn ich sprach offensichtlich Letzteres wie Ersteres aus, und das wollte ich nicht!

Nach dem Essen entschied ich mich, meinen Schlafplatz gleich zu sichern: dieser Stress damit wurde mir zu albern und ich buchte also ein Bett in einem Hostel, was in meinem Pilgerführer empfohlen wurde. Ich konnte erst danach entspannt weiterlaufen. Das mit der Zuversicht musste ich wohl noch üben!

Vor dem Hostel in Póvoa da Varzim standen schon ein halbes Dutzend italienische Radpilger ratlos vorm Eingang. Ich erklärte, dass ich sowieso beim Hostel anrufen sollte, um hereingelassen zu werden, und könnte für sie gleich mal fragen, ob es noch Betten gäbe. Mit diesem Anruf wurde das Hostel also voll. Glück gehabt!

Es handelte sich um eine Männergruppe und der Schlafsaal hatte auch genau 6 Betten zu bieten. Mir wurde angeboten, meine Reservierung für eins dieser Betten in eine Übernachtung im Doppelzimmer mit einer anderen Frau ohne Aufpreis umzuwandeln. Na bitte.

Nachmittags hatte ich noch viel Zeit zum Bummeln und habe meine ersten Postkarten geschrieben. In einer Strandbar. Bei Galão, Küchlein und zum Schluss einem weinhaltigen Getränk. Bis zum Sonnenuntergang. Leben ist hart.

Hach.

Das Zimmer im Hostel war sehr klein aber hübsch und ich war die Erste vor Ort, so dass ich mir das Bett aussuchen konnte. Leider fand ich es stressig, das Zimmer mit meiner Mitbewohnerin für die Nacht zu teilen: sie konnte kaum eine Fremsprache und obwohl ihre Muttersprache Portugiesisch war, schien sie nicht verstanden zu haben, wie alles im Hostel funktionierte. Zum Beispiel hatte sie nicht verstanden, wie sie einchecken sollte. Hatte also keinen Schlüssel und wollte abends noch weggehen, während ich so früh wie möglich schlafen gehen wollte. Ich fühlte mich genötigt, ihr anbieten zu müssen, dass sie mich anrief, damit ich sie später ins Hostel wieder hereinlassen konnte.
Bis ihrer Rückkehr habe ich nicht schlafen können. Ich war sauer.

So ein richtiges Bett hat aber auch was.

Lauter negative Gedanken an dem Tag gehabt, eben. Nicht nur solche, aber gefühlt zu viele davon. Zum Glück würde sich meine Einstellung mit der Zeit ins Positive wandeln.

Ich stellte übrigens an dem Tag bereits fest, dass ich mit meiner Ausrüstung sehr zufrieden war. Es trug sich alles wunderbar und ich hatte vermutlich wirklich alles da, was ich brauchte. Ich war gespannt, wie sich manches noch machen würde, was ich noch nie benutzt hatte. Insbesondere die Regensachen.

Am nächsten Tag lief ich bis nach Marinhas 26km, wo ich deutlich positiver auf meine Mitmenschen eingehen konnte. Dazu mehr hier.

Veröffentlicht von Peregrina

Unterwegsgedanken nach der Ankunft

2 Kommentare zu „Camino 1, Tag 5

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