Gelernt: Ausrüstung Teil 1

Ich befinde mich nun in der Trainings- und Vorbereitungsphase für meine nächste, deutlich anspruchsvollere Wanderung auf einem Jakobsweg, dem sogenannten „Küstenweg“ , dem Camino del Norte. Im April [sollte es losgehen aber die Covid-19-Epidemie hat es verhindert] und ich [wollte] mir ganze zwei Monate Zeit dafür [nehmen]. Warum so viel Zeit, obwohl sechs Wochen realistisch wären? Erzähle ich ein anderes Mal.

Heute möchte ich auf meine Erfahrung bezüglich der Ausrüstung eingehen und was ich für das nächste Mal daran ändern werde.

Ich bin nämlich sehr glücklich damit gewesen und ein paar Erfahrungswerte sind vielleicht für andere Wanderer*innen hilfreich.

***DISCLAIMER: Ich habe in Pilgerherbergen, Pensionen und Hotels übernachtet. Zelten und Biwak standen bei mir nicht auf dem Programm.***

Nich zu viel, nicht zu wenig… wie geht das?

Gefühlt ist das Thema Gewicht das, was mich am meisten beschäftigt hat:

Es wird empfohlen, nicht mehr als 10% des eigenen Körpergewichts – zzgl. Wassers und Proviants – auf dem Rücken zu tragen. Mit 56kg, ohne Pilger- oder Trekking-Erfahrung, und auch wenig bereits vorhandene geeignete Ausrüstung, konnte ich unmöglich unter 6kg für meinen Rucksack kommen. Es soll grundsätzlich gehen, aber ich bin noch nicht so weit gewesen. Zum Einen musste ich selber herausfinden, was für mich passt und was nicht, und ultraleichtes Equipment kostet viel Geld. Ein bisschen investiert habe ich, aber nicht übermäßig.

Investiert habe ich unter anderem in einen leichteren und weniger voluminösen Schlafsack, der im für mich noch bezahlbaren Bereich war. Damit sparte ich ein halbes Kilo!

Wanderklamotten hatte ich so gut wie keine. Was ich schon da und mitgenommen habe:

  • 1 45+10L Tourenrucksack
    Mein eigener Wanderrucksack war zu gross (60L) und zu alt (20 Jahre und fiel schon auseinander). Ich wollte nicht viel Geld auf einmal ausgeben und habe keinen Neuen gekauft: ich habe den meiner Nachbarin ausgeliehen. Er war perfekt für mich. Was für ein Geschenk!
  • 1 Wanderhose
    die meine Oma nicht mehr trug und mir passte
  • 1 Polyester-„TearAway“-Sport-T-Shirt
    leicht und trocknet schnell
  • 1 atmungsaktive Strickfleece-Kapuzenjacke
    bequem und trocknet schnell
  • 1 Sport-Bikini
    rutscht nicht weg, ist super leicht und diente wunderbar als Ersatzunterwäsche
  • 1 Elasthan-TACTEL®-Unterhose
    Sehr leicht, bequem, trocknet schnell.
    Wollte 2 mitnehmen, habe aber aus Versehen nur 1 eingepackt. Geschichte dazu: hier.
  • 1 Paar kurze Laufsocken
    für die Freizeit nach der Tagesetappe
Wanderstiefel? Halbschuhe? Laufschuhe? Wandersandalen?…???

Gekauft und mitgenommen habe ich:

  • 1 lange Wanderhose mit abtrennbaren Beinen
    leicht, super praktisch. Vor allem mit den seitlichen Öffnungen an den Knöcheln, so dass ich die Beine ausziehen konnte, ohne die Schuhe auch ausziehen zu müssen.
  • 1 Elasthan-Polyester-Kurzarm-Shirt mit kurzem Kragen
    das ich für Wassersport gekauft hatte. Auch sehr leicht, trocknet schnell und schüzt den Nackenbereich ein bisschen vor der Sonne.
  • 1 leichte Wind- und Regenjacke
  • 2 paar Wandersocken
    Die nicht für Vollleder-, sondern für Gore-Tex-Schuhe gedacht waren. Die fand ich jedoch super. Aufgrund der Schwierigkeit, die Socken nach dem Waschen bis zum Packen am nächsten Tag trocken zu bekommen, werde ich beim nächsten Mal 3 Paar Socken mitnehmen. Es ist gegen Blasen- und Fußpilzbildung unheimlich wichtig, stets trockene Füße und entsprechend Socken zu haben.
  • Hochwertige Vollleder-Wanderstiefel
    Für den sogenannten „portugiesischen Küstenweg“ voll übertrieben. Gute Laufschuhe hätten gereicht. Jedoch brauchte ich sowieso neue Wanderstiefel, mit denen ich auch noch im Hochgebirge unterwegs sein könnte. Viele Paar „Wanderschuhe“ wollte ich nicht haben, somit habe ich mich für die sicherste, hochwertigste Variante entschieden, mit der ich überall gut unterwegs sein könnte. Habe mich für Volleder statt Gore-Tex entschieden, weil ich schnell Schweißfüße bekomme und synthetische Stoffe das Schwitzen verschärfen. Ich habe meinen Kauf nicht bereut!
  • Surfschuhe, die ich mit den Einlagen meiner Laufschuhen aufgerüstet habe
    als Ersatzschuhe: mit Badelatschen kann ich nicht lange laufen; der Zehentrenner scheuert mich auf; und Wandersandalen schienen mir für eine so „kurze Tour“ (mind. 2 Wochen, die 4 wurden) etwas übertrieben. Superleicht, bequem dank den Einlagen und dem weichen, wasser- und luftdurchlässigen Stoff, ultragünstig auch noch. *INSERTIPP*
  • 2 Wanderstöcke
    Für den portugiesischen Weg auch nicht zwingend notwendig. Ich fand sie jedoch bei Abstiegen sehr hilfreich und würde heutzutage nicht mehr darauf verzichten wollen.
    Achtung: Stöcke können nicht in die Kabine mitfliegen. Die müssen eingecheckt werden.

Sonstige Wanderausrüstung:

  • Meinen Knieschoner habe ich zu Hause gelassen.
    Das Wandern auf dem Camino Portugués da Costa hat meine Knieschmerzen wider Erwarten nicht verschlimmert, sondern vermindert!!! Ich würde jedoch nicht von mir ausgehen, was Knieschonung für andere angeht. Jede*r muss sich genauer überlegen, was für eine*n besser ist. Ich habe viele Wander*innen gesehen, die damit gelaufen sind. Jeder Körper ist anders und hat seine eigenen Schwachstellen und Verletzungsgeschichte!
    An der Stelle möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass es unterwegs auf Jakobswegen viele Apotheken und Läden gibt, in denen bei Bedarf Knieschoner gekauft werden könnten. Wenn die Probleme wie bei mir nur sporadisch auftauchen und leicht sind, lohnt es sich vermutlich, ohne Knieschoner zu starten.
  • Regenponcho und Gamaschen habe ich gekauft und war froh darüber.
    Allerdings ist ein Regenponcho schon bei milden Temperaturen fast wie eine tragbare Sauna. Unter dem Poncho wird es schnell warm und das Schwitzen macht auch nass. Viele sagen, Sturmregenschirme sind deswegen besser. Ich würde meinen Poncho jedoch nochmal mitnehmen. Er ist leicht und kompakt und bei kühlem Nieselregenwetter super.
    Die Gamaschen habe ich nur ein paar Male auf dem portugiesischen Küstenweg benutzt und bin damit zufrieden gewesen. Sie schützten allerdings bei strömendem Regen nicht mehr davor, Wasser in die Stiefel zu bekommen. Dagegen hilft, glaube ich, nichts.
    Überschuhe fürs Wandern gibt es wohl nicht mehr zu kaufen. Es hilft nur: Schuhe gut imprägnieren und Ersatzschuhe dabei haben. Denn mit nassen Schuhen habe ich mich wund gelaufen.
  • Eine günstige Sportsonnenbrille mit Etui habe ich mir auch gekauft.
    Meine sonstige Sonnebrille war zu zerbrechlich und hat vor seitlicher Sonne schlecht geschützt. Eine gute Entscheidung war das für mich.
  • Schonmal vom „Buff“ gehört?
    Ich habe so ein Multifunktionstuch gekauft und bin begeistert: ultraleicht und kompakt, gut als Ohrenschutz, Halsband, Schal, leichte Mütze. Kann ich wirklich empfehlen.
  • Ich habe 2 Alu-Wasserflaschen dabei gehabt.
    1 Mal 0,75L (neu gekauft) und 1 Mal 0,25L (hatte ich schon da). 1L insgesamt also. Für milde Jahreszeiten für mich völlig ausreichend, denn es gibt genug Möglichkeiten, diese unterwegs aufzufüllen.
  • Das Thema Handtuch war irgendwie spannend.
    Hatte zunächst ein mittelgroßes Mikrofaser-Sporthandtuch in einem Sportladen nach Empfehlung des Personals geholt, was ich tatsächlich auch oft auf Wäscheleinen in den Pilgerherbergen sehen würde. Dann habe ich von „Handtuchkleidern“ gehört und fand ein Modell, was noch leichter als das Sporttuch und extrem günstig war und mir noch praktischer erschien. Ich bestellte es auch noch. Ich fand es deutlich praktischer denn weicher und eben leichter als das Mikrofasertuch und entschied mich, Letzteres zum Verschenken mitzunehmen, denn zu Hause brauchte ich definitiv keine zwei solchen Teile.
    Im Endeffekt habe ich beim Plaudern mit Mitpilger*innen unterwegs erfahren, dass feuchte Wäsche schneller trocknet, wenn sie in ein trockenes Handtuch eingerollt und ordentlich gewrungen wird. Ich rollte also meine nicht-ganz-trocken-gewordene Wäsche vom Vortag in mein Zweithandtuch (das Mikrofaserteil) ordentlich ein und packte das „Päkchen“ in meinen Rucksack. Während meiner jeweiligen Tagesetappe wurde meine Wäsche fast trocken. Ich habe das zweite Handtuch also doch nicht verschenkt und werde es auf meiner nächsten Tour auch mitnehmen! *INSIDERTIPP*

Puh. Habe jetzt schon sehr viel geschrieben. Hier geht es zum Rest meines Wandergepäcks weiter, denn zu meinen finalen 10kg kommen wir mit dem hier aufgelisteten Zeug noch nicht.

Diese ganze Serie im Überblick:

Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld

Veröffentlicht von Peregrina

Unterwegsgedanken nach der Ankunft

4 Kommentare zu „Gelernt: Ausrüstung Teil 1

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten