Willkommen zu diesem Sonderbeitrag zu einem Thema, das selbst im Jahr 2020 noch ausreichend tabu ist, dass die meisten Online-Jakobsweg-Packlisten es ignorieren: unterwegs menstruieren. Es stimmt zwar, dass viele Wander*innen nicht bzw. nicht mehr menstruieren und sich somit darüber keine Gedanken machen müssen. Unter anderem aufgrund der Pilgerstatistiken gehe ich jedoch davon aus, dass eine gute Hälfte der Leute auf Jakobswegen ihre Tage bekommen und ihr Gepäck entsprechend planen sollen.
Für alle, die einen großen Bogen um das Thema machen wollen, habe ich das Thema im letzten Beitrag zum Gepäck für den Jakobsweg nicht weiter erläutert, obwohl es zum Apothekenzeug bzw. Körperhygiene auf Tour dazu gehört. Hier ist es also.
Ich habe eigentlich wenige Dinge dazu mitzuteilen, diese möchte ich jedoch mit Nachdruck sagen:
- Menstruationstassen haben mein Leben verändert.
- Auch auf dem Jakobsweg konnte ich die Menstruationstasse problemlos benutzen.

Zum ersten Punkt:
Menstruationstassen
haben mein Leben verändert.
Mir wurde der ganze toxische Müll zu bunt, den ich während meiner Tage produzierte, wenn ich Binden und/oder Tampons benutzte. Mir war auch bewusst, dass solche Teile aus bzw. voller Chemikalien auch für den eigenen Körper ungesund waren. Als eine Vertrauensperson mich auf die Menstruationstasse aufmerksam machte, habe ich mir gedacht, dass es für mich Zeit war, sie auszuprobieren.
Der Anfang war eine große Herausforderung; jetzt bin ich nur noch dankbar dafür, dass es dieses Ding gibt, dass ich davon erfahren habe und dass ich die Möglichkeit habe, es zu benutzen.
Das was darüber vielfach erzählt wurde, stimmte auch für mich: es brauchte ein paar Einläufe, um „den Dreh“ zu bekommen. Die Einführung gestaltete sich anfangs schwierig; es war nicht immer leicht, die Menstruationsschale wieder herauszubekommen; und es war auch kompliziert, einen hygienischen Tassenentleerungsablauf zu finden, der für mich passte.
Dafür wurde es nach dem holprigen Start nur noch Lebensfreude pur:
Die Tasse fühlt man bzw. frau nicht, wenn sie gut sitzt. Im Gegenteil zu Binden, die wegrutschen, knirschen und sich feucht anfühlen können. Einfach genial.
Durch die perfekte Abdichtung der Gebärmutter gibt es auch so gut wie kein Auslaufen. Ich wiederhole das mal kurz: Es. Gibt. Kein. Auslaufen.
Das heißt, während ich meine Menstruationstasse trage, vergesse ich fast, dass ich meine Tage habe.
In vielen Fällen gibt es unterwegs Zugang zu einer sogenannten „Behindertentoilette“ , die sich dafür eignet, denn solche Toiletten sind mit privatem Waschbecken ausgerüstet. Selbst bei Toiletten, in denen das Waschbecken außerhalb der Toilettenkabine liegt, gibt es Tricks: entweder es handelt sich um eine Großraumtoilette und es gibt tatsächlich doch eine „Behindertentoilette“, oder der Raum ist klein mit wenigen Kabinen und es ist oft möglich, die Vordereingangstür abzusperren bzw. zu blockieren, solange es gebraucht wird.
Jedenfalls wurde ich mit der Zeit während meiner Tage sozusagen „achtsamer“ beim Toilettengang , wenn ich unterwegs war, und so ging es in Deutschland immer sehr gut.

Auch auf dem Jakobsweg hat es immer geklappt.
Auf meinem Jakobsweg konnte die Menstruationstasse problemlos benutzen.
Ich habe die Tasse meist in den Gaststätten, die oft nur eine Toilettenkabine und somit gleich ein Waschbecken dazu zur Verfügung hatten, entleert.
In den Pilgerherbergen habe ich mich für eine Methode entschieden, die für mich bequem war, die manche ggf. verstörend finden können: Ich habe die Tasse im Duschabfluss entleert. Die Duschkabinen sind meist nicht bis nach unten abgedichtet und es ist also möglich, dass jemand in das Gemeinschaftsbad gerade dann hereinspaziert und duschen geht, während ich mit dem blutigen Silikonteil hantiere. Na und? Es ist der Jakosweg und fast alle, die den gleichen Duschraum benutzen wie ich, haben auch ab und zu bzw. hatten mal ihre Tage. Sie müssen es verstehen. Wenn nicht, auch nicht schlimm.
Im Übrigen hat mich auf meiner Jakobsweg-Wanderung niemand dabei gesehen. Es ging also immer reibungslos und entspannt.
Für die Packliste
Für den Fall, dass kein Waschbecken gleich zur Verfügung steht, gibt es Reinigungstücher, die extra dafür gemacht wurden, um die Tasse reinigen zu können. Besser ist es unter sauberem fließendem Wasser natürlich. Und ich hatte auf meinem letzten Jakobsweg diese Möglichkeit immer. Die Tücher habe ich also nicht gebraucht. Ich würde welche trotzdem Mitnehmen: vielleicht sind sie für was anderes nützlich, wenn nicht dafür.
In dem Sinne, für einen kompletten Menstruationszyklus würde ich wieder folgendes im Gepäck dabei haben:
- Menstruationstasse in ihrer Tasche
- 1-2 Sterilisierungstabletten (eigentlich für Schnuller gedacht, online bestellt)
- ein paar Spezialreinigungstücher (für die Menstruationsschale)
- 5 Slipeinlagen (ca. 1 pro Zyklustag)
Ich wünsche viel Glück damit!
Im nächsten Beitrag gehe ich nun auf die letzten Dinge ein, die in meinem Gepäck für den Jakobsweg waren:
- Proviant
- „Pilgerzeug“
- Dokumente und Geld
Bis denn dann!
Diese ganze Serie im Überblick:
Teil 1: Wanderklamotten und -ausrüstung
Teil 2: Alltagsklamotten, Geräte und Utensilien
Teil 3: Reiseapotheke und Hygieneprodukte
Sonderbeitrag: Auf dem Jakobsweg menstruieren
Teil 4: Proviant, „Pilgerzeug“, Dokumente und Geld
4 Kommentare zu „Auf dem Jakobsweg menstruieren“