Camino 2, Tag 4, Teil 1

Am nächsten Morgen wartete mein Mitpilger wieder auf mich. Die zwei anderen hatten den Schlafsaal bereits verlassen, als wir uns auf den Weg zur Gaststätte in Hospital de Logoso für das Frühstück machten. Besagte zwei weiteren Mitpilger*innen waren schon vor Ort. Es sollte das letzte Café für die kommenden 15 km auf dem Camino a Fisterra sein, und bevor wir uns in die Natur für ein paar Stunden begaben, stärkten wir uns mit Warmgetränken und Tostadas.

Es regnete richtig und die Sonne würde erst in einer knappen Stunde aufgehen. Es schien nicht sinnvoll, jetzt gleich loszumachen. Wir drei vom Vorabend warteten also noch auf den Sonnenaufgang und brachen dann zusammen auf.

Platsch Platsch!

Das Wetter wurde sehr wechselhaft. Mal Regen, mal Sonne. Für mich war das sehr angenehm; meine Laufkumpane waren auch bester Laune. Wir freuten uns wohl alle über die schöne Natur und die sympathische Gesellschaft, sowie auf unser Tagesziel: das „Ende der Welt“. Das Kap Finisterre. Die Atlantik. Bald würden wir „ankommen“ !

Mein Mitpilger der letzten Tage hatte plötzlich das Bedürfnis, alleine weiterzulaufen. Sein Glück, diesen für ihn insgesamt ca. 900 km langen Weg demnächst zu beenden und somit sein neues Abenteuer im Leben „offiziell“ zu starten, war nicht zu übersehen. Er war vollkommen verstrahlt. Ich wusste, worum es ihm ging, und so fand ich das sehr rührend und war sehr glücklich für ihn. Auch für mich. Und für alle, die den Weg geschafft hatten und noch schaffen würden.

Ich lief dann eine Weile mit unserer neuen Bekanntschaft. Sehr lustige und interessante Gespräche kamen zustande. Und immer wieder schwiegen wir zusammen. Herrlich.

Ich war nach wie vor eher flott unterwegs und lief hin und wieder vorweg. Ich hielt an, um zwei Holzvollernter bei der Arbeit zu beobachten. Der andere Wanderer kam bald dazu und wir schauten einen Moment begeistert zu, wie die Bagger ganze Baumstämme wie Streichhölzer „pflückten“.

Danach ging es hauptsächlich weiter durch wunderschöne einsame, vernebelte, nasse Wege. Mal schien eben auch die Sonne. Als ich eine „Boxenpause“ einlegte, ging der Kollege weiter. Ich sah ihn dann nicht mehr wieder. Also nicht während der Wanderung.
Den durfte ich mir später herbeiwünschen.

Auf dem Weg hatte ich hauptsächlich tote, zerdrückte (zertretene??) Salamander gesehen. Einen konnte ich lebendig gesehen. Meine erste Begegnung mit einem Salamander.

Salamander, wie er vor sich hin schlendert.

Dazwischen konnten wir auch die Atlantik wieder sehen. Was für einen aufregenden Moment, wieder vor dem prächtigen Ozean zu stehen!

Als ich durch Cée lief, schoss mein „stetsaufmichwartender Mitpilger“ aus einem Café heraus, als ich vorbeilief. Ich wollte aber noch nicht anhalten, also noch keine Pause machen und ich wollte auch unbegleitet den Rest dieses Wegs machen. Wir plauderten nur kurz und ich zog weiter.

Ihn traf ich in Fisterra nach dem Einchecken in meiner Unterkunft vor der Touristeninformation, als ich zum Kap Finisterre weiterlaufen wollte: Die Sonne schien gerade und angeblich sollte es nicht anhalten, ich müsste mich also lieber etwas beeilen, um zum „Ende der Welt“ zu kommen, ohne klitschnass zu werden. Es waren nämlich noch 3,5 km zum Kap. Also 7 km hin- und zurück. Die Touristeninfo machte jedoch gerade auf und die Pilger*innenschlange für das Holen vom Wegabschlusszertifikat, der „Fisterrana“ , war nicht lang. Also holte ich doch meine „Compostela“ , brachte sie in Sicherheit (also ins Trockene) zurück in die Unterkunft und lief nochmal an der Touristeninfo vorbei, wo ich mein verstrahlter Kumpel aufgabelte. Er war noch in voller Montur unterwegs, denn er hatte noch nirgends eingecheckt und wollte einfach direkt zum Kap.

Wohl nicht allein. Bzw. wollte er offensichtlich zusammen mit mir zum Kap aufsteigen.

Ab diesem Zeitpunkt passierte noch so viel an dem Tag, dass ich es lieber in einem neuen Eintrag erzählt habe.

Veröffentlicht von Peregrina

Unterwegsgedanken nach der Ankunft

2 Kommentare zu „Camino 2, Tag 4, Teil 1

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