Camino 2, Tag 3

Camino, give me pizza!

Mein Mitpilger

An dem Tag war ich wieder die Letzte auf den Beinen in der Pilgerherberge. Anscheinend lohnte es sich für mich, so früh (gegen 20:30) ins Bett zu gehen, denn offensichtlich brauchte ich viel Zeit, um auf mein Schlafpensum zu kommen. Nicht nur hatte ich abends Schwierigkeiten, einzuschlafen (vor allem dann, wenn die Anderen es anders meinten und wenig Rücksicht nahmen), sondern ich hatte vermutlich auch einfach einen großen Bedarf bei der Anstrengung.

Jedenfalls hatte mein Mitpilger vom Vortag wieder auf mich gewartet. Zum Glück war in der Herberge noch eine Bekannte von ihm untergebracht, die er auf dem von ihnen direkt davor beendeten Camino Francés kennengelernt hatte. So hatte ich mehr Gelegenheiten, ihm beim Erzählen unterwegs nicht zuzuhören. Ich konnte seinen Redefluss nicht mehr über mich ergehen lassen. Ich hoffte, dass die beiden verstanden, dass ich auch mal in Ruhe alleine laufen wollte.

Trübe Stimmung

Der Tag fing trocken an, es gab aber immer wieder und immer mehr Regenepisoden. Ich war an dem Tag von meinem Regenponcho begeistert. Das Wetter war kühl und somit schwitzte ich mich nicht zu Tode darunter. Für einen solchen Tag war das Teil perfekt.

Obwohl unsere Tagesetappe nicht besonders lang wurde (19 km), fand ich den Weg anstrengend. Vermutlich aufgrund von meiner gereizten Laune, dem trüben Wetter und den steilen Abschnitten. Möglicherweise auch, weil wir bald ans „Ziel“, Fisterra, kommen würden und ich nicht ankommen wollte. Mal wieder.

Die Bekannte von meinem Mitpilger wollte an dem Tag noch viel weiter kommen, um mit einer kürzeren letzten Etappe zum Kap Finisterre diesen Weg zu beenden. Ich hatte aber die Schnauze schon lange voll und sagte an, dass ich auf keinen Fall in Cée, sondern gleich in Hospital de Logoso mein Glück auf ein Bett probieren würde. Mein Mitpilger entschied sich für meine anvisierte Unterkunft, bzw. wieder dafür, bei mir zu bleiben. Ich hatte keine Lust mehr, mit ihm zu laufen. Ich kannte gefühlt schon seine ganze innere Welt und seine Ideen darüber, was er nach dem Jakobsweg noch machen wollen würde. Und ich fühlte mich so, als ob er sich nur für meine Aufnahmefähigkeit interessierte, jedoch wenig dafür, wer ist war. Er stellte mir nämlich so gut wie keine Fragen.

Im letzten Augenblick dieses Wegs konnten wird darüber sprechen und es klärte sich einiges. An dem Tag wünschte ich mir aber noch, dass ich ihn bald links liegen lassen könnte.

Die Herbergsleute waren sehr nett, bzw. die Frau war extrem nett. Ihr Mann wirkte äußerst zurückhaltend und ihre Tochter unbegeistert, für die beiden dolmetschen zu sollen, während sie für ihre Ausbildung lernte. Die ältere Dame war um uns jedoch wirklich bemüht und insistierte, uns zwischen der kleinen Gaststätte und der Unterkunft, die sie betrieben, mit dem Auto zu chauffieren. Es war seltsam, plötzlich wieder in ein Auto zu steigen.

Abends kamen zwei weitere Pilger*innen dazu. Die eine kam relativ spät abends an. Zum Anderen: Als ich aus der Dusche kam, kam er mir entgegen. Halbnackt und lächelnd. Er hatte gewartet, dass ich das Bad frei machte. Diese Begegnung verwirrte mich etwas, wie man sich das sicherlich gut vorstellen könnte. Später gingen wir drei – dieses Mal zu Fuss – zusammen in die Gaststätte zurück, um uns die Langeweile bei mehr oder weniger warmen Getränken und Snacks bis zum Abendessen zu vertreiben. Es regnetete immer noch.

Der Nachmittag war nett, der Abend war noch schöner.

Wir drei würden für das letzte Stück des Caminos a Fisterra gemeinsam starten, jedoch jeweils alleine ankommen.

Mehr dazu hier.

Veröffentlicht von Peregrina

Unterwegsgedanken nach der Ankunft

Ein Kommentar zu “Camino 2, Tag 3

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten