Camino 1, Tag 17

Wunderbare Atmosphäre im Morgennebel

Zum Frühstück ging ich in das nette Café, wo ich am Vorabend etwas trinken war. Der Wirt war so nett gewesen, er verdiente mehr Kundschaft. Ich bestellte einen Kaffee und eine Süssigkeit. Und bemühte mich, dem Gastgeber zu sagen, dass mir der Ort Caldas de Reis sehr gefallen hatte, und zwar vor allem deswegen, weil die Einheimischen so freundlich zu mir waren. Er freute sich sehr.
Er empfohl mir, bis Padrón zu laufen anstatt schon in Briallos zu übernachten, denn es würde sich lohnen, dort Zeit zu verbringen. Es gäbe viel zu sehen. Ich begab mich mit dieser Idee auf den Weg.

Die anderen Pilger*innen schienen zunehmend in Eile zu sein, in Santiago de Compostela anzukommen. Ich dagegen lief entspannt. Ich hatte noch viel Zeit.

Der Vormittag war durchweg nebelig und die Atmosphäre war dadurch wirklich toll. Ich war völlig verzaubert, als ich feststellte, dass nicht nur die Landschaft sondern auch ich nach einer Weile von Tautropfen bedeckt war.

Morgendusche

An dem Tag lief es sich wieder gut und ich folgte dem Rat vom Wirt aus Caldas de Reis: Ich lief bis Padrón. Ich hatte allerdings so einen Hunger, dass ich gleich vor dem Ortseingang nach einer Gaststätte Ausschau hielt. Ich fand nichts sehr ansprechend, wollte aber nicht länger auf Essen warten. Ich ging in ein Restaurant herein, dessen Besitzer*innen auch eine Pension mit Spezialkonditionen für Pilger*innen hatten. Ich wurde gleich gefragt, ob ich einchecken wollte. Ich verneinte es und sagte, dass ich nur essen wollte.
Das Restaurant war wie gesagt nicht sehr ansprechend. Ich freute mich aber auf eine Spezialität, die ich öfter zu Hause zubereitete: „Pimientos de Padrón“ . Leider fand ich die mir angebotene Speise enttäuschend.

Es schien mir riskant, erst nach dem Essen in die Innenstadt zu gehen. Ich hatte viele Wander*innen vor mir gesehen und wollte nicht weiterlaufen, um vor einer ausgebuchten Herberge zu stehen. Ich entschied mich also, trotz Mangel an Begeisterung für die Location gleich vor Ort in der Pension zu übernachten.
Ich war auch von der Pension selbst unbegeistert. Sehr altbacken, wenig Privatsphäre aufgrund von mehreren unverschließbaren Schlafsälen und -zimmern und nur einem Bad, einer karg ausgestattenen Küche… Ich habe etwas Zeit dafür gebraucht, mit meiner Entscheidung zufrieden zu sein, dort zu bleiben.

Ich war jedenfalls die Erste vor Ort und hatte also zunächst die Räumlichkeiten für mich alleine. Ich duschte, dehnte mich, packte meine Sachen auf mein Wunschbett für die Nacht und zog mit leichtem Gepäck in die Stadt. Der Himmel ging auf.

Convento del Carmen

Tatsächlich gab es einige beeindruckenden Gebäuden. Ich lief an der Jakobuskirche, am Brunnen Fuente del Carmen sowie an der öffentlichen Pilgerherberge vorbei. Ich ließ das imposante Kloster Convento del Carmen auf mich wirken. Dann lief ich weiter zum Santiaguiño do Monte, der nach 114 Stufen bergauf erreicht werden konnte. Und es lohnte sich tatsächlich. Ich war eine ganze Weile alleine auf dem Gelände. Es handelte sich um einen großen Park mit Kirche und Steinkreuz. Auf dem Hügel hätte der Apostel Jakobus seine erste Predigt auf spanischem Boden gehalten. Ob es stimmte oder nicht, wusste ich nicht, jedenfalls war es eine wunderbare Ruheoase. Ich setzte mich auf die Steinstufen und führte mein Tagebuch.

Es kamen ein paar mehr Besucher*innen, die aber diskret blieben. Ich ging danach in die Stadt bummeln, Kaffee trinken und einkaufen.

Santiaguiño do Monte

Ich verbrachte dann den Abend in der Pension. Als ich im Flur viele Koffer sah und darauf lesen konnte, dass es sich um eine Jugendgruppe handelte, dachte ich, dass ich mich auf keine erholsame Nacht einstellen sollte. Und wartete jeden Augenblick darauf, dass weitere Pilger*innen kamen, um auch im Schlafsaal zu übernachten. Es kam jedoch niemand ins Zimmer dazu.

Lediglich auf dem Flur und auf dem „Balkon“ traf ich weitere Pensionsgäste. Mit einem Priester kam ich ins Gespräch. Er würde besagte Jugendgruppe nach Santiago de Compostela leiten. Er war sehr nett.
Von der Jugendgruppe habe ich in der Nacht überraschenderweise nichts gehört. Ich schlief wie ein Baby!

Am nächsten Tag hatte ich meinen ersten richtig regnerischen Wandertag. Ich lief nicht bis Santiago, sondern nur bis Cruces. Ich hatte keine Lust, schnell „anzukommen“.

Davon erzähle ich hier.

Veröffentlicht von Peregrina

Unterwegsgedanken nach der Ankunft

3 Kommentare zu „Camino 1, Tag 17

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