Camino 1, Tag 14

Ob das so eine gute Idee war, sich so durch Wildwuchs auf gut Glück einen Weg zu bahnen?

Nachdem ich am Vortag 30 km bis Mos und somit ca. 10 km mehr als üblich gelaufen war, hatte ich eine relativ kurze Tagesetappe geplant. Nach ca. 15 km hielt ich bereits vor Arcade in Soutoxuste an. Die Pilgerherberge befände sich direkt an der Landstraße unweit von einem Strand und wäre von einem besonders freundlichen „Pilgerfreund“ betrieben. Tatsächlich war die Herberge sehr leicht von der Landstraße zu sehen. Ich hatte ein paar Stunden Zeit, bevor ich einchecken konnte, und machte mich mit Ausrüstung durch einen wildbewachsenen, kaum zugänglichen Pfad hinter dem Gebäude in Richtung Meer auf den Weg. Ich fand es aufregend, nicht sicher zu sein, ob er wirklich zu irgendwas interessantem führen würde. Vielleicht war er auch nur von ein paar größeren Tieren, die sich vor stacheligen Sträuchen nicht scheuten, ab und zu betreten.

Tatsächlich war der Pfad nicht wanderfreundlich. Er fuhr zwar irgendwohin, aber nicht direkt zum Meer. Ich landete zunächst in ein kleines Dorf und folgte dem Kompass gen Westen. Und versuchte, die Wachhunde zu ignorieren, die mich klar und deutlich machten, dass ich in der Gegend nicht willkommen wäre.

„Ruhe!“

Ich erreichte bald das Naturschutzgebiet der Bucht von San Simón. Dies war nicht der Strand, den ich mir erhofft hatte, dafür ein wunderbar ruhiger Ort, den Menschen offensichtlich selten, dafür Vögel sehr wohl aufsuchten.
Es war noch Ebbe und die Bucht war sehr sumpfig. Ich suchte mir ein Stück Damm, der eben und trocken genug war, zum Sitzen aus, und machte entspannt Picknick. Ich beobachte eine Weile die ruhige Natur vor mir.

Mir fiel auf, dass sich in besagter Bucht einiges an Müll gesammelt hatte. Und ich hatte deswegen öfter ein schlechtes Gewissen auf dem Weg bekommen, weil ich trotz „freundlichen Hinweisen“ darauf in einigen Herbergen noch keinen Abfall unterwegs gesammelt hatte. In dem Moment hatte ich sowohl nur noch einen kurzen Weg vor mir bis zu meiner Unterkunft als auch eine leere Plastiktüte da, denn ich hatte gerade meinen Proviant aufgebraucht. Ich sammelte also. Mein Beutel wurde überraschend schnell voll. Und ich hätte noch viel mehr aufheben können, wenn ich eine größere Mülltüte dabei gehabt hätte.

Es fühlte sich gut an, etwas nützliches zu machen, auf der anderen Seite war das Ergebnis meiner Sammlung erschütternd. Lauter Plastik, was teilweise schon viele Jahre alt zu sein schien, und zwar nicht wenig davon.

Die Bucht von San Simón

Ich ließ mich dann wieder von den Hunden anbellen, ging dieses Mal an der Landstraße lang zur Herberge zurück und checkte ein. Der Betreiber der Herberge war offensichtlich sehr glücklich in seinem Job und machte mir – und den anderen später – den Aufenthalt in dieser sehr einfachen aber sehr gut ausgestatteten Herberge so gemütlich, wie er nur konnte.
Ich war die Erste vor Ort und er bot mir ein Einzelzimmer an. Ohne Aufpreis. Ich schlug mit großer Begeisterung zu!

Der Abend war sehr ruhig.

Ein Paar würde am nächsten Morgen nicht weiterlaufen: sie hätte sich die Füße so wund gelaufen, dass sie abbrechen mussten. Sie hatte Tränen in den Augen. Ich war umso dankbarer, dass es mir so gut wie noch nie ging. Ich würde es schaffen können, wenn ich weiterhin auf mich selbst achten würde.

Ich war im Schwung und ging am nächsten Tag gleich wieder 27km durch viel Wald. Ich fühlte mich wirklich gut.

Mehr dazu hier.

Veröffentlicht von Peregrina

Unterwegsgedanken nach der Ankunft

Ein Kommentar zu “Camino 1, Tag 14

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten