Camino 1, Tag 11

„Ein bisschen Wellness,
Teil 2″

Ich zog an dem Tag alleine los und war bis auf 2 Mal extrem heiter unterwegs.

Das erste für mich etwas ärgerliche Erlebnis war, als ich auf einem schönen bergigen Abschnitt im Wald an 2 Pilger*innen vorbeihetzte, weil sie beim Laufen gerade mit Lautsprecher (!) Musik hörten. Das fand ich absurd und nervenaufreibend. Das zweite Mal an dem Tag war, als ich mich verlief und entlang der Landstraße anstatt über die Dörfer zum Etappenziel eine Weile weiterziehen sollte. Ich hätte zurückkehren können, fand es aber auch passend, den von mir unabsichtlich eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Es ist, wie es ist. Außerdem konnte ich so auch das „stinknormale“ Portugal und nicht nur seine malerischen Seiten besser kennenlernen. So schlimm war das alles sowieso nicht.

Ich war jedoch sehr erleichert, dass die private Herberge in Loivo, in der ich übernachten wollte, von besagter Landstraße aus sehr gut ausgeschildert war. Ich war die erste Pilgerin vor Ort und konnte mein Bett reservieren. Ich wurde etwas davon irritiert, dass der eine Gastgeber mich fast etwas zu lockerflockig in Empfang nahm. Bis die Räumlichkeiten sauber wurden und ich mein Bett „beziehen“, duschen und meine Tageswäsche machen konnte, dehnte ich mich im netten Vorgarten, wo ich jedoch auf Hundekot achten musste. Einmal durchatmen war angesagt: Ich war nicht mehr „auf dem falschen Weg“, hatte einen Schlafplatz und konnte mich nun entspannen.

Der Rio Minho aus Vila Nova de Cerveira aus

Zu Mittag ging ich „in die Stadt“ nach Vila Nova de Cerveira. Es gäbe auch ein paar Sehenswürdigkeiten. Mein Hunger war aber gross und ich hielt gleich am Ortseingang an, wo eine Art Bistro-Bäckerei allerlei günstige Sattmacher im Angebot hatte. Es war einfaches Imbiss-Essen, aber ich war damit sehr zufrieden und die Bedienung war sehr freundlich. Danach ging ich unbekümmert den Ort erkunden.

Ich war mit Sightseeing recht schnell durch. Das Städtchen-Zentrum war sehr überschaubar. Dafür wurde der Flussufer sehr schön ausgebaut und an der entsprechenden Ecopista lang würde ich einen Spaziergang machen. Spanien war schon in Sicht! Nur noch dieser Fluss trennte den Weg davon. Die Portugiesen schrieben seinen Namen Minho, die Spanier Miño. Aufregend!

Am Nachmittag gönnte ich mir vor lauter Langeweile noch ein Eis am Ufer und lief zurück in die Herberge. Mittlerweile war die Bude voll. Nur Deutschsprachige wieder. Es waren sowieso sehr viele (hauptsächlich?) Deutschen auf dem Camino Portugués unterwegs. Die eine Gastgeberin in der Herberge war auch Deutsche, was im deutschsprachigen Pilgerführer auch angemerkt war, dem viele folgten. Es zog vermutlich an.

Ich fand es ulkig. So nur unter Deutschsprachigen in einem portugiesischen Dorf.

Jedenfalls war der Aufenthalt echt luxuriös: Bad mit Frauenhygieneprodukten, nur 5 Betten im Schlafsaal, Ausstrahlung von The Way von Emilio Estevez (den ich noch nicht gesehen hatte!) im Gemeinschaftsraum, großzügiges günstiges Abendessen… und MASSAGEGERÄTE!!! Ich habe mir 2 x Nacken- und 2 x Fussmassage gegönnt. Was für eine Wohltat!

Vegetarischer Auflauf für alle.

Nach dem Film war das Abendessen fertig und der grosse Tisch wurde gedeckt. Es kamen mehr Pilger*innen dazu, die in der zweiten kleinen privaten Herberge des Dorfs untergekommen waren. Unter anderem „meine“ zwei Deutschen! Es war eine wundervolle Runde und der Sonnenuntergang auf der Terrasse mit Blick auf den Minho war wirklich reizend.

Am nächsten Tag würde ich Spanien erreichen… können. Warum mein Übergang sich aber verzögerte, erfahrt Ihr hier.

Veröffentlicht von Peregrina

Unterwegsgedanken nach der Ankunft

Ein Kommentar zu “Camino 1, Tag 11

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